River of the dead_Rezi

Im New Yorker East River Park wird von einem Jogger die Leiche eines kleinen Jungen aufgefunden, der leblose Körper des 10-jährigen Tyler Rochester wurde an das Ufer des Flusses gespült. Der Leiche des Kindes fehlen die Füße und wie die anschließende Obduktion wenig später ergibt, war Tyler noch am Leben als der Täter ihm mit einer Säge die Körperteile abgetrennt hat. Detective Alexandra Hemingway hat in ihrer Polizeilaufbahn zwar schon viele brutale Verbrechen erlebt, doch diese unfassbare Grausamkeit gegenüber einem wehrlosen Jungen macht auch ihr schwer zu schaffen. Ihre Ermittlungen werden zudem durch ein immenses Medieninteresse erschwert, denn Tyler Rochester stammt aus einer wohlhabenden Familie und ging auf eine der kostspieligen Privatschulen der Stadt. Zudem wird Alex schnell klar, dass der Fall ungeahnte Ausmaße annehmen wird, denn nur Stunden nach dem Leichenfund wird ein weiterer Junge direkt vor seiner Schule entführt…

Ein Serienkiller macht Jagd auf hochbegabte Jungen reicher Familien

„River of the Dead“ ist nach dem aufsehenerregenden Thriller „Bloodman“ und der Moby-Dick-Hommage „Mannheim Rex“ der dritte Roman des Kanadiers Robert Pobi und bildet gleichzeitig den Auftakt einer neuen Reihe um die Ermittlerin Alexandra Hemingway vom New Yorker Police Department. Diese führt sich dann auch schon nach wenigen Seiten mit einem Knalleffekt ein, als sie auf dem Weg zur Arbeit mal im Vorbeigehen einen Autoüberfall abwehrt und ihre Angreifer mit wenigen Handgriffen krankenhausreif abfertigt. So wissen nicht nur die bedauernswerten Kriminellen, sondern auch die Leser, dass mit Pobis Hauptfigur wirklich nicht zu spaßen ist – und genau so eine Ermittlerin braucht es auch in dem schockierenden Kriminalfall, den der Autor in das Zentrum seiner Geschichte stellt: Ein 10-jähriger Eliteschüler wurde brutal ermordet und verstümmelt und wie sich schon wenige Stunden nach dem Fund der Leiche andeutet, haben es Hemingway und ihre Kollegen mit einem Serientäter zu tun, der Jagd auf hochbegabte kleine Jungen aus reichem Hause macht.

Nichts für zartbesaitete Gemüter

Wer „Bloodman“ gelesen hat, der weiß, dass Robert Pobi mit seiner Leserschaft nicht gerade zimperlich umgeht und auch „River of the Dead“ ist wieder nichts für zartbesaitete Gemüter und schwache Mägen. Als wären die Morde an sich nicht schon verstörend genug, so sind die Opfer zumeist auch kleine wehrlose Kinder, die von dem Mörder teilweise bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt werden. Jeder neue Leichenfund ist hier auch für hartgesottene Thrillerfans wie ein Tritt in die Magengrube und wird auch durch nachfolgende Szenen, in denen die Protagonistin den schockierten Eltern das Verschwinden oder den Tod ihres Kindes mitteilen muss, nicht gerade angenehmer. Pobis Geschichte ist aber keine reine Gewaltorgie und die schwer verdaulichen Passagen sind zwar drastisch, aber auch sparsam und wohldosiert. Tatsächlich hat es der sogar Autor geschafft, um die schockierenden Verbrechen herum eine wahnsinnig spannende Handlung zu schreiben, die mit einem sehr hohen Erzähltempo punktet und geschickt mit den Erwartungen und Theorien der Leser spielt. Die Kapitel sind kurz und knackig und enden nicht selten mit einem gut platzierten Cliffhanger, sodass man förmlich durch die Seiten fliegt.

Alex Hemingway: Interessante Mischung aus knallhartem Cop und unsicherer Zweiflerin

Alexandra Hemingway ist als Hauptfigur dabei wirklich sehr gut gelungen und hat deutlich mehr zu bieten, als es ihr grobes Auftreten in der Anfangsszene vermuten lässt. Zwar gibt „Hemi“ nach außen hin den harten Cop, der auch beim Anblick übel zugerichteter Kinderleichen kaum mit der Wimper zuckt, im Umgang mit den Menschen, die ihr nahe stehen, offenbart sich aber auch ihre emotionale und unsichere Seite. Neben ihren Ermittlungen muss Alex nämlich auch noch in ihrem privaten Leben eine folgenschwere Entscheidung treffen und wird dabei gerade durch die ihr sich täglich bietende Gewalt und die grausamen Seiten des Menschen von heftigen Zweifeln geplagt. Robert Pobi findet hier genau die richtige Mischung aus knallharter Ermittlungsarbeit und der privaten Ebene seiner Hauptfigur: Man erfährt genug, damit Alex Hemingway zu einer interessanten Protagonistin wird, mit der man gerne mitfiebert, allerdings reißen einen die Charakterisierungen nie aus dem Handlungsfluss heraus. „Rivers of the Dead“ ist dabei zwar in erster Linie als One-Woman-Show angelegt, was aber nicht heißt dass die Nebenfiguren von Pobi sträflich vernachlässigt würden.

Packender und hochspannender Thriller für Hartgesottene

Insgesamt ist dem Kanadier mit seinem dritten Roman also ein hervorragender Thriller geglückt, der für meinen Geschmack „Bloodman“ sogar noch übertrifft und sich mit seiner tollen Protagonistin und der hochspannenden, wendungsreichen und verstörenden Geschichte auch kaum Schwächen erlaubt. Lediglich ein paar wenige logische Ungereimtheiten in Detailfragen fallen beim genaueren Hinsehen zwar auf, aber in der Gesamtbetrachtung kaum ins Gewicht. Wer einen packenden Thriller sucht und vor manchen recht heftigen Schilderungen nicht zurückschreckt, wird mit „River of the Dead“ wirklich sehr gut bedient. Mehr davon bitte, Herr Pobi!

River of the Dead
  • Autor:
  • Reihe: Alex Hemingway #1
  • Umfang: 416 Seiten
  • Verlag: Arrow
  • Erscheinungsdatum: 6. Juni 2013
  • Preis Taschenbuch 8,20 €/eBook 5,48 €
Cover:
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Gesamt:
9/10
Fazit:
Hochspannender Thriller mit einigen bösen Überraschungen und einer sympathischen und interessanten Protagonistin – aber nichts für zartbesaitete Gemüter!

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