The_Martian_Rezi

Für Mark Whatney sollte die Mission zum Mars der Höhepunkt seines Lebens werden, doch die Expedition endet für den Astronauten in der Katastrophe: Ein heftiger Sandsturm auf dem roten Planeten zwingt seine Crew zur Evakuierung, doch Whatney wird beim Versuch, das Aufstiegsraumschiff zu betreten, von den Winden erfasst und zurück auf den Mars geschleudert. Bei dem Unfall wird er von einer Antenne verletzt, die zudem auch den Computer zerstört, der seine Körperfunktionen überwacht und diese Daten an die NASA sendet. Weil seine Crewmitglieder ihn in dem Sturm nun weder sehen können noch Lebenssignale übermittelt bekommen, gehen die fünf Astronauten vom Tod Whatneys aus, setzen die Evakuierung schweren Herzens fort und nehmen in ihrer Raumfähre Kurs zurück in Richtung Erde. Was weder die Mitglieder der Marsmission noch das Bodenpersonal bei der NASA wissen: Mark Whatney hat den Unfall weitestgehend unbeschadet überstanden und sitzt nun auf dem Mars fest – und die nächste Mission zum roten Planeten ist erst in einigen Jahren geplant…

Gestrandet auf dem Mars

Die Ausgangssituation von Andy Weirs Science-Fiction-Roman „The Martian“ ist ein Horrorszenario, gegen das sogar das einsame Martyrium eines Robinson Crusoe wie ein Kinderspiel wirkt. Der Astronaut Mark Whatney ist nämlich nicht nur auf einer einsamen Insel gestrandet, sondern gleich auf einem ganzen einsamen Planeten – Millionen von Kilometern von der heimischen Erde entfernt. Das Schlimmste: Niemand ahnt, dass Whatney nach dem Evakuierungszwischenfall überhaupt noch am Leben ist, sodass der Pechvogel nicht einmal große Hoffnungen in eine Rettung setzen kann. Glücklicherweise zählt der gelernte Botaniker und Maschineningenieur aber nicht zu der Sorte Menschen, die den Kopf in den Sand stecken, sondern findet sich recht schnell mit seiner scheinbar ausweglosen Situation ab. Die Sols (Marstage) bis zur Ankunft der nächsten bemannten Marsmission sind schnell überschlagen und so sucht Whatney schon kurz nach der Katastrophe fieberhaft nach einem Weg, die Zeit bis dahin zu überstehen – unglücklicherweise reichen seine Vorräte an Nahrung und Sauerstoff aber gerade mal höchstens für ein Drittel der rund vier Jahre bis zur nächsten „Ares“-Expedition.

Mark Whatney – Space-MacGyver und coolste Sau im Universum

Es ist also Einfallsreichtum, Durchhaltevermögen und eine unglaublich große Portion Optimismus gefragt, um dieses unmögliche Ziel zu erreichen, doch wenn jemand für diese Aufgabe geschaffen ist, dann Mark Whatney. Nun kann man darüber streiten ob es realistisch ist, dass sich ein Mensch in einer solch hoffnungslosen Situation so zuversichtlich und ohne großes Hadern oder gar Depressionen mit unermüdlichem Einsatz an die Arbeit macht, man kann aber auch ganz einfach zum absoluten Mark-Whatney-Fan mutieren und dessen Bemühungen im Geiste frenetisch anfeuern. Denn Whatney ist nicht nur ein Wissenschafts- und Technik-Genie, das in bester MacGyver-Manier aus dem Nichts komplexe und lebensrettende Gerätschaften konstruiert, sondern der gute Mann ist vermutlich auch die coolste Sau im Universum und mit einem grandiosen Humor gesegnet, der es einem absolut unmöglich macht, diesen Protagonisten nicht wahnsinnig sympathisch zu finden. Wenn man auf gut Deutsch so sehr am Arsch ist wie Whatney, dann aber noch Knaller-Gags am Fließband reißen kann, ist das schon sehr bewundernswert.

Eine höchst amüsante wissenschaftliche Lehrstunde

Nun könnte man meinen, dass es ziemlich langweilig sein muss, eine Romanfigur über Monate hinweg dabei zu begleiten, wie diese ganz alleine auf einem Planeten um ihr Leben kämpft, zumal es auf dem Mars bis auf Sandstürme und unruhiges Terrain auch eigentlich keine großen Gefahren für Whatney gibt – denn auf fiese Marsianer wartet man hier vergeblich. Es geht für den Gestrandeten eigentlich hauptsächlich darum, genug Wasser und Nährstoffe zu bekommen – und diesen Kampf kämpft Mark Whatney Tag für Tag bzw. Sol für Sol. Klingt ziemlich öde? Ist aber ungefähr so weit von öde entfernt wie der Mars von der Erde! Denn selbst wenn Whatney ausführlich erklärt, wie er genug Kartoffeln in seinem Marsfahrzeug anbauen kann und dabei bis ins letzte Detail den benötigten Kalorienbedarf errechnet, so ist das dank der lebhaften Schilderungen zugleich interessant, lehrreich und faszinierend – und dank des unvergleichlichen Whatney-Humors in der Regel auch höchst amüsant. Und auch wenn ich es beim Lesen des öfteren ein wenig bedauert habe, Chemie in der Schule so früh abgewählt zu haben, so gab es dank Andy Weirs anschaulichen Beschreibungen nur ganz selten einmal Verständnisprobleme. „The Martian“ ist insgesamt sehr wissenschaftlich, aber das in einem leicht verständlichen „Sendung mit der Maus“-Stil für Erwachsene, der das Nachvollziehen von Whatney Basteleien wirklich sehr einfach macht.

Eine Begeisterung des Autors, die höchst ansteckend ist

Wer nun immer noch Bedenken hat, die landwirtschaftlichen Mars-Experimente oder Reparaturarbeiten an Marsrovern und Co. könnten ihm zu langweilig sein, dem sei auch noch gesagt, dass Andy Weir sein Mars-Abenteuer nicht nur aus der Mark-Whatney-Perspektive erzählt, sondern nach einer Weile auch die andere Seite des Dilemmas zeigt, sprich: die armen Schweine bei der NASA, die nun unter den wachsamen und sensationslüsternen Blicken der ganzen Welt den Karren wieder aus dem Dreck ziehen müssen. Dabei handelt es sich zum Glück nicht um staubtrockene Wissenschaftler, sondern um herrlich verrückte Space-Nerds, denen man die Begeisterung für ihre Arbeit bei jedem Satz anmerken kann. Und es ist einfach unglaublich spaßig, diesen verschworenen Haufen dabei zu begleiten, wie er einen Rückschlag nach dem nächsten meistern muss. In diese Runde würde sich wohl auch der Autor selbst perfekt integrieren, der nicht ohne Grund in der Kurzbiografie auf dem Buchumschlag als „lifelong space nerd“ und „devoted hobbyist of subjects like relativistic physics, orbital mechanics, and the history of manned spaceflight“ beschrieben wird. Und einem solchen Raumfahrts- und Wissenschaftsfan kauft man es dann auch ab, dass sich ein Astronaut auf dem Mars eine Kartoffelfarm aufbauen kann oder mit lebensgefährlichen Explosionen sein Leben rettet.

Ganz großes Weltraum-Kino

Genug um den heißen Brei herumgeredet: „The Martian“ von Andy Weir ist schlicht und einfach das beste Buch, das ich in meiner Zeit als Buchblogger gelesen habe – und das sind nun immerhin auch schon drei Jahre. Es ist spannend, unterhaltsam, informativ, faszinierend, überraschend, wahnsinnig humorvoll, bietet den vielleicht großartigsten Protagonisten des SciFi-Genres und ist von der ersten Zeile („I’m pretty much fucked.“) bis zum grandiosen Schlussabsatz vor allem eines: perfekt. Wer sich auch nur im Ansatz für Science-Fiction oder Raumfahrt begeistern kann und bei Filmen wie „Apollo 13“ oder „Gravity“ nicht sofort fluchtartig wegschaltet, der muss dieses Buch einfach gelesen haben. Ich habe selten so mit einer Hauptfigur mitgefiebert wie mit Mark Whatney und kam mir zwischendurch fast selbst vor, als würde ich in der NASA-Zentrale wie gebannt vor Monitoren mit Satellitenbildern sitzen und mir vor Aufregung die Nägel abkauen. „The Martian“ schreit geradezu nach einer Verfilmung, die das Buch glücklicherweise aller Voraussicht nach auch bekommen wird – unter der Regie von Ridley Scott und mit Matt Damon in der Hauptrolle. Ich werde diesem Film vermutlich genauso entgegenfiebern wie Mark Whatney einer Rettung vom Mars – und bis dahin wahrscheinlich noch mindestens dreimal dieses Buch lesen…

The Martian
  • Autor:
  • Deutscher Titel: Der Marsianer (13. Oktober 2014)
  • Umfang: 369 Seiten
  • Verlag: Crown
  • Erscheinungsdatum: 11. Februar 2014
  • Preis Geb. Ausgabe 12,95 €/eBook 7,52 €
Cover:
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Gesamt:
10/10
Fazit:
Spannend, unterhaltsam, informativ, faszinierend, überraschend, wahnsinnig humorvoll und mit der coolsten Hauptfigur zwischen Erde und Mars – Andy Weirs "The Martian" ist Science-Fiction in Perfektion.

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