The_Forever_Watch_Rezi

In der fernen Zukunft hat die Menschheit die Erde gezwungenermaßen aufgegeben und die wenigen Tausend Überlebenden sind mit einer gigantischen Raumfähre, der „Noah“, auf eine 1000 Jahre dauernde Reise zum Planeten Canaan aufgebrochen, von dem sich die Flüchtenden einen neuen Lebensraum für die Gründung einer neuen Zivilisation erhoffen. Einer der Reisenden ist Hana Dempsey, die für die Stadtplanung auf der Noah verantwortlich ist und gerade erst ihre verpflichtende Schwangerschaftsauszeit hinter sich hat. Während Hana noch damit zu kämpfen hat, diese schwere Phase zu verarbeiten, wird sie von ihrem Freund, dem Polizisten Leonard Barrens, um Hilfe gebeten: Dieser ist auf geheime Informationen gestoßen, die das Schicksal seines verschwundenen Mentors Callahan betreffen. Dessen angeblicher plötzlicher Ruhestand stellt sich nämlich als Vertuschung eines grausamen Mordes heraus, deren Umstände Barrens mit aller Macht aufklären will – und dabei auf Hanas Hacker-Fähigkeiten angewiesen ist…

Die Arche Noah im Weltall

„The Forever Watch“ ist der Debütroman des von den Philippinen stammenden Autors David Ramirez und verfrachtet die biblische Geschichte um Noah und seine Arche in die Zukunft und zugleich ins Weltall. Die „Noah“ ist ein riesiges Raumschiff und bietet den letzten paar Tausend Überlebenden der Menschheit Platz, die sich auf einer epischen Reise befinden, die erst viele Generationen später beendet werden wird. Nach inzwischen mehr als 300 Jahren kennt niemand mehr die genauen Gründe für den Untergang der Erde, doch jeder bekommt von klein auf eingetrichtert, dass der Mission, dem Erreichen des Planeten Canaan, alles untergeordnet werden muss. Besonders einige Auserwählte sind für dieses Unterfangen unentbehrlich, so auch die Stadtplanerin Hana Dempsey. Sie zählt zu denjenigen, bei denen die obligatorischen Eignungstests eine besondere Ausprägung ihrer Psi-Fähigkeiten ergeben haben und nach einer langen und fordernden Ausbildung ist sie mittlerweile in der Lage, alleine mit ihren Gedanken Materie zu formen und ganze Gebäude zu konstruieren.

Spannendes Setting, coole (aber komplizierte) Technologie

David Ramirez wirft seine Leser gleich zu Beginn ins kalte Wasser: Während Hana nach neun Monaten gesetzlich verordneter Brutzeit aufwacht und damit hadert, dass sie wie alle Mütter ihr Kind nie zu Gesicht bekommen wird, wird man vom Autor im Schnelldurchlauf mit den Besonderheiten des Settings vertraut gemacht. Dies betrifft vor allem die Implantate der Menschen, welche die Psi-Fähigkeiten ihrer Träger verstärken und somit unglaubliche Dinge ermöglichen. Zugleich dient diese mit den Gehirnen vernetzte Technologie aber auch der Kommunikation und verbindet die Noah-Reisenden mit dem sogenannten „Nth Web“, dem Intranet des Raumschiffs. Hier macht es sich bezahlt, dass der Autor früher als Molekularbiologe gearbeitet hat und auch bestens mit Computertechnik und Programmierung vertraut ist: Das Setting wirkt jederzeit sehr gut durchdacht und es ist immer wieder faszinierend, welche Möglichkeiten die futuristischen Technologien mit sich bringen. Allerdings ist das System dahinter insgesamt auch ziemlich komplex und es ist häufig nicht einfach, den detaillierten und oft sehr wissenschaftlichen Beschreibungen und Erklärungen Ramirez´ zu folgen. Wer die Mühe jedoch auf sich nimmt und sich geduldig durch das eher langsame erste Romandrittel arbeitet, wird dafür aber mit einem sehr stimmigen und hochinteressanten Science-Fiction-Setting belohnt.

Ein Sci-Fi-Serienkiller-Verschwörungs-Thriller

Hat man nach dieser etwas schwierigen Einführungsphase die Abläufe auf der Noah dann verinnerlicht, nimmt schließlich auch die Story an Fahrt auf. Alles beginnt mit der Entdeckung von Hanas Freund Leon, dass dessen Mentor nicht still und heimlich in den Ruhestand versetzt wurde, sondern von einem brutalen Killer auf grausame Weise ermordet wurde. Leon ist geschockt, will der Sache näher auf den Grund gehen und weckt damit auch Hanas Interesse an dem Fall. Ab diesem Zeitpunkt geht „The Forever Watch“ ganz klar in Richtung Thriller, der eine gute und spannende Serienkillergeschichte verheißt – und diese Erwartungen auch die meiste Zeit erfüllt. Durch die extreme Vernetzung der Noah-Reisenden und damit auch die zwangsläufige Non-Stop-Überwachung erhalten die Ermittlungen Hanas und Leons zusätzlichen Reiz, da die Nachforschungen ständig im Verborgenen erfolgen müssen – was bei Kommunikationsimplantaten und Gegenspielern mit Psi-Kräften gar nicht mal so einfach ist. Nach und nach kommt man hier zugleich auch als Leser hinter die Geheimnisse der Noah, die jedoch wirklich sehr langsam enthüllt werden.

Spannende Story, der jedoch zum Ende die Luft ausgeht

David Ramirez macht mit seinem Debütroman vieles richtig: Das Setting ist anspruchsvoll, aber faszinierend, die Atmosphäre stimmig (auch wenn man nicht immer das Gefühl hat, man würde sich auf einer Raumfähre befinden), die Story packend und die Charaktere vielschichtig und interessant – selbst die Love-Story zwischen den beiden Hauptfiguren ist gut integriert und fällt nicht störend auf. Und auch die Auflösung der Geschichte ist gelungen – sie kommt nur einfach viel zu früh. Nach rund 250 Seiten weiß man nämlich wie der Hase läuft, hat dann aber noch knapp 70 verbleibende Seiten vor sich. Folgerichtig erwartet man als Leser noch einen weiteren Höhepunkt, der dann jedoch leider ausbleibt. So plätschert die Geschichte nach der Enthüllung noch recht lange vor sich hin, obwohl die Luft längst raus ist. Das ist ein bisschen schade, denn man hat am Ende des Buches das Gefühl, dass bei dem guten Setting noch ein wenig mehr drin gewesen wäre. Dennoch ist „The Forever Watch“ insgesamt ein zwar nicht immer einfacher, aber wirklich guter und intelligenter Sci-Fi-Roman für die anspruchsvollen Genre-Fans.

The Forever Watch
  • Autor:
  • Umfang: 336 Seiten
  • Verlag: Thomas Dunne Books
  • Erscheinungsdatum: 22. April 2014
  • Preis Geb. Ausgabe 18,10 €/eBook 9,99 €
Cover:
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Gesamt:
8/10
Fazit:
Anspruchsvoller, aber sehr gut erzählter Sci-Fi-Thriller mit tollem Setting, dem lediglich auf den letzten Seiten ein wenig die Puste ausgeht.

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