40_Stunden_Rezi

Ein Wahnsinniger hält Berlin mit einer Bombenserie in Atem und droht mit einem noch schlimmeren Attentat.

Auch 10 Monate nachdem der Berliner Ermittler Faris Iskander bei einem Bombenanschlag in einem Museum nur schwer verletzt mit dem Leben davongekommen ist, hat er immer noch mit den seelischen und physischen Folgen des Traumas zu kämpfen. Zudem ist er seit einem gewaltsamen Überbegriff auf einen Neonazi vom Dienst suspendiert. Als Faris dann aber von einem Unbekannten angerufen wird und dieser ihm das Video eines gekreuzigten Mannes schickt, befindet er sich plötzlich wieder mitten im Kampf gegen das Verbrechen. Der Anrufer lotst Faris in eine U-Bahn-Station, wo daraufhin eine Bombe hochgeht und mehr als zwanzig Menschen in den Tod reißt. Daraufhin stellt der Attentäter dem Ermittler folgendes Ultimatum: Sollte dieser den Mann am Kreuz nicht innerhalb von 40 Stunden finden, so wird nach Ablauf der Frist ein noch viel schlimmerer Anschlag stattfinden – und das ausgerechnet während des ökumenischen Kirchentages, wo zehntausende Gläubige den Papst erwarten…

Rasanter und spannender Auftakt

Fangen wir zunächst mit dem Positiven an: Kathrin Lange verschwendet nicht viel Zeit für eine ausschweifende Einführung, sondern wirft ihre Hauptfigur und die Leser direkt ins Geschehen. Ein anonymer Anruf, ein verheerender Anschlag und ein knappes Ultimatum verbunden mit der Androhung eines noch deutlich größeren Bombenattentats: „40 Stunden“ baut gleich zu Beginn kräftig Spannung auf und umreißt zudem schnell und präzise die dramatische Ausgangssituation. Brisant ist in diesem Zusammenhang auch die Vorgeschichte des Protagonisten Faris Iskander, der erst vor wenigen Monaten bei einem ähnlichen Fall fast ums Leben gekommen wäre und sich selbst eine Mitschuld an den vielen Toten des damaligen Bombenattentats gibt. Nun scheint das Unfassbare zu geschehen, denn es hat den Anschein als stecke hinter dem neuerlichen Anschlag der gleiche Täter, der auch schon für die Museumsbombe verantwortlich war – und das obwohl dieser zum Zeitpunkt der Explosion selbst im Gebäude war und somit ebenfalls unter den Opfern gewesen sein müsste.

Klischees und Kompetenzgerangel

Nach dem rasanten Auftakt fängt es aber dann schon mit den Problemen dieses Thrillers an. Da Faris Iskander nach einer früheren Verfehlung vom Dienst suspendiert ist, kommt es infolgedessen erst einmal zu massivem Kompetenzgerangel, da seine Vorgesetzte ihn trotz der direkten Kontaktaufnahme des Täters nicht mit im Team haben möchte. Anstatt sich also auf die Suche nach dem gekreuzigten Mann zu machen, vergeht zunächst eine Weile mit nervigem Rumgezicke – man hat ja offenbar nichts Wichtigeres zu tun. Zudem hatte ich während der gesamten Dauer des Hörbuches Probleme, mich richtig mit der Hauptfigur anzufreunden. Es ist nicht so, dass Faris Iskander mir nicht sympathisch gewesen wäre, aber dessen einzige Besonderheit als Ermittlerfigur scheint darin zu bestehen, als Moslem in einer Sondereinheit für religiös motivierte Verbrechen zu arbeiten. Und natürlich sieht der arabisch aussehende Polizist sich ständig den Vorbehalten seiner deutschen Mitbürger ausgesetzt und wird deshalb schon mal als potenzieller Terrorist gesehen.

Viel Action und Dramatik, die aber nicht beim Hörer ankommt

Neben diesen Klischees weist aber auch die Story einige Schwächen auf, dabei macht Kathrin Lange auf den ersten Blick vieles richtig. Es gibt so gut wie keinen Leerlauf, ständig droht die nächste Eskalation und die Autorin drückt mit Bombenanschlägen, grausamer Kreuzigung und möglichem Papst-Attentat eigentlich auch die richtigen Knöpfe, um beim Leser Nervenkitzel hervorzurufen – das Problem: Dieser kommt beim Leser aber leider nicht an. Denn irgendwie läuft die Schnitzeljagd durch Berlin immer nach dem gleichen Schema ab und Kathrin Lange hat vielleicht auch etwas zu früh zu dick aufgetragen. Der verheerende Anschlag zu Beginn ist nämlich fast schon zu groß, um das Publikum mit späteren Explosionen noch wirklich schocken zu können. Außerdem schafft die Autorin es leider nicht, die Leser auch die wahre Tragödie dieser Anschläge spüren zu lassen – denn das bei der U-Bahn-Bombe rund zwei Dutzend Leute auf grausame Weise sterben, scheint überhaupt keine Rolle zu spielen. Dafür versucht Lange gleich mit zwei Romanzen die emotionalen Reize der Leserschaft zu kitzeln, allerdings sind leider beide für die Geschichte absolut überflüssig.

Der Hörbuchsprecher als Spannungskiller

Für den ultimativen Spannungstöter der Hörbuchfassung kann die Autorin selbst jedoch nichts: den Sprecher. Dabei kann man Richard Barenberg nicht einmal vorwerfen, sich nicht genug ins Zeug zu legen, denn in den Dialogen zeigt er durchaus ein ordentliches Repertoire und haucht diesen auch merklich Leben ein. Allerdings spricht er die reinen Erzählpassagen derart erschöpft und einschläfernd, dass sich diese Müdigkeit auch irgendwann auf den Hörer überträgt und man fast zwangsläufig beim Hören mit den Gedanken abdriftet. Das ist schade, denn so geht vor allem die überraschende und wirklich gelungene Schlusswendung des Buches ein wenig in der Eintönigkeit der Lesung unter. Man kann mit „40 Stunden“ vermutlich wirklich ein paar spannende Stunden verbringen – man sollte es aber lieber selbst lesen.

40 Stunden
  • Autor:
  • Original Titel: 40 Stunden
  • Verlag: Random House Audio, Deutschland
  • Erscheinungsdatum: 17. Januar 2014
  • Preis 21,95 € (9,95 € im Audible-Flexi-Abo)
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
6/10
Fazit:
Solider und kurzweiliger Thriller, der trotz Klischees eine ansprechende Story bietet, aber leider vom Hörbuchsprecher deutlich an Spannung beraubt wird.

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