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Ein Serienkiller verbreitet in einer psychiatrischen Anstalt Angst und Schrecken und schockiert durch besondere seelische Grausamkeit.

Ein Psychologieprofessor hat zu einem seltsamen Experiment eingeladen: Seine Studenten sollen in einer leerstehenden psychiatrischen Klinik eine Patientenakte lesen. Zunächst reagieren die jungen Männer und Frauen überrascht, denn 200 Euro für das simple Lesen einer alten Akte sieht für alle Anwesenden nach leicht verdientem Geld aus. Als der Professor seine Studenten dann aber auf mögliche gesundheitliche Schäden des Experiments hinweist und sie dann eine Rechtsverzichtserklärung unterschreiben lassen will, bekommt ein Großteil schließlich doch kalte Füße und verlässt noch vor Beginn des Versuchs den Raum. Nur eine mutige Studentin und ihr Freund verbleiben und stimmen den Bedingungen des Professors zu – zu groß sind die Neugier und die Verlockung des Geldes. Beide öffnen unter Aufsicht die Akte und beginnen mit der Lektüre – und tauchen ein in einen psychologischen Albtraum, der sie mit den schlimmsten menschlichen Abgründen konfrontiert…

Sebastian Fitzeks Bestseller als ungekürztes Hörspiel

Bei Sebastian Fitzeks Thriller „Der Seelenbrecher“ handelt es sich keineswegs um eine Neuerscheinung auf dem Buchmarkt, schließlich wurde der Roman bereits im Jahr 2008 veröffentlicht. Anlass für diese Rezension ist aber die frisch erschienene ungekürzte Hörspielversion des Buches, die Audible gemeinsam mit dem Hörspielstudio XBerg veröffentlicht hat. Dieser Fassung habe ich seit langem entgegengefiebert, da mich einerseits bereits das Hörspiel zu Fitzeks Werk „Das Kind“ sehr begeistern konnte und „Der Seelenbrecher“ für mich nach wie vor das mit Abstand beste Buch des deutschen Bestsellerautors ist – und ich war gespannt, ob mich das Buch gut sechs Jahre später noch genauso fesseln konnte wie damals. Um es kurz zu machen: Das Buch hat mich ebenso gepackt wie beim ersten Mal und mich nach den fünfeinhalb Stunden trotz des mir bereits bekannten Ausgangs erneut geschockt und fassungslos zurückgelassen.

Der perfekte Psychothriller

Für meinen persönlichen Geschmack ist Fitzeks vierter Roman vom Anfang bis zum Ende nicht weniger als der perfekte Psychothriller: Er beginnt mit einem beängstigenden Prolog, der gleich einmal die enorme Grausamkeit des Täters unter Beweis stellt und ködert den Leser nur wenig später mit dem mysteriösen Experiment des Professors, der seine Studenten eine Akte lesen lässt und dabei ihre Reaktion untersucht. Diese Akte ist wie ein Roman geschrieben und umfasst die dramatischen Ereignisse, die sich viele Jahre zuvor in einer psychiatrischen Klinik zugetragen haben. Mehr möchte ich an dieser Stelle auch gar nicht über die Geschichte selbst schreiben, denn das würde nur völlig unnötig die Spannung rauben – außerdem könnten bereits kleinste Details zu viel verraten.

Unheimliches Setting, beängstigender Täter

„Der Seelenbrecher“ fasziniert mich alleine schon durch sein Setting, das zwar nicht übermäßig originell ist, mich aber dennoch immer wieder sehr reizt: Eine Klinik voller zwielichtiger und unberechenbarer Gestalten mit den unterschiedlichsten psychischen Macken, noch dazu von einem unerbittlichen Schneesturm von der Außenwelt abgeriegelt, sodass es kein Entkommen und keine Hoffnung auf Hilfe von außen gibt – so simpel, so beängstigend. Der nächste Schocker ist der unbekannte Täter, denn dessen Modus Operandi ist auch für eingefleischte Thrillerfans wie mich immer noch besonders grausam und trotz der fast völlig fehlenden physischen Gewaltausübung weitaus verstörender als so mancher wahnsinniger Serienkiller, der seine Opfer bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Auch hier sei nicht zu viel verraten, aber der Täter trägt seinen Titel „Der Seelenbrecher“ absolut mit Recht.

Wahnsinnige und raffinierte Story

Wir haben also ein unheimliches Szenario, einen furchteinflößenden Psychopathen, fehlt also noch eine packende Story, und auch hier zieht Sebastian Fitzek alle Register. Die Handlung ist so voller unvorhersehbarener Wendungen wie kaum ein vergleichbarer Thriller und schockiert seine Leser fast im Minutentakt mit neuen teuflischen Überraschungen. Zudem sorgt der Autor durch zahlreiche kleine Rätsel dafür, dass man sich der Geschichte wie gebannt vollkommen ausliefert und sich widerstandslos in das perfide Spiel Fitzeks verwickeln lässt. Die Handlung ist dabei derart raffiniert, dass man zum Ende hin fast erschlagen wird von den Enthüllungen und gleichermaßen entsetzt wie überwältigt verfolgt, wie sich die einzelnen Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Der Schlusstwist ist schier unglaublich und praktisch nicht vorherzusehen, dennoch ist Fitzeks Erklärung zu jedem Zeitpunkt glaubwürdig und logisch stimmig. So lassen sich beim zweiten Lesen zahlreiche kleine Details mit der bekannten Lösung völlig anders deuten und liefern bereits früh Hinweise auf den Täter – diese nimmt man im ersten Anlauf aber so irreführend wahr, wie es Fitzek bei seinen falschen Fährten beabsichtigt hat. Und als wäre dies alles noch nicht mind-fucking genug, verknüpft der Autor die Story zum Schluss auch noch mit seinem Debütroman („Die Therapie“) und gibt den Lesern so völlig den Rest, sodass man am liebsten sofort beide Bücher mit den neuen Erkenntnissen nochmal lesen möchte, um diese auf versteckte Andeutungen zu überprüfen. Mehr kann man von einem Psychothriller wirklich nicht erwarten.

Erstklassige und dem Roman würdige Hörspielumsetzung

Die Hörspielfassung wird diesem Roman zum Glück absolut gerecht und sorgt nicht nur durch erstklassige Sprecher, sondern auch eine stimmige Geräuschuntermalung für eine packende Atmosphäre und akustisches Grauen. Zwar fehlen im Vergleich zu „Das Kind“ abgesehen vom Erzähler Simon Jäger oder Oliver Rohrbeck und Erich Räuker in kleinen Sprechrollen die ganz großen Namen, das ändert aber nichts daran, dass alle Charaktere treffend besetzt sind und ihren Figuren dank engagierter Vorträge überzeugend Leben einhauchen. Dass dabei manchmal ein schmerzverzerrtes Stöhnen unfreiwillig komisch wirkt und ganz andere Assoziationen weckt, sei gerne verziehen. Doch egal ob man nun die Hörspiel- oder Hörbuchfassung oder vielleicht doch lieber das gedruckte Buch vorzieht – an Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“ führt für Thrillerfans kein Weg vorbei, denn etwas besseres wird man im Psychothriller-Genre kaum finden.

Fazit:
Überragender Psychothriller, der mit unheimlichem Setting, einem beängstigenden Killer und einer unglaublich raffinierten Story für jede Menge Gänsehaut und fassungslosen Schrecken sorgt (10/10).

Der Seelenbrecher
Autor: Sebastian Fitzek; Sprecher: Simon Jäger, Erich Räuker, Richard Barenberg, Rainer Fritzsche, Michael Iwannek, Andrea Aust, Peter Weis u.v.m.; Spieldauer: 5 Std. 34 Minuten (ungekürzt); Anbieter: Audible GmbH; Veröffentlicht: 30. Januar 2014; Preis: 20,95 €.

Link zum Hörspiel


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