Autor: Mario Giordano
Sprecher: Matthias Köberlin
Länge: ca. 17 Stunden (13 Folgen à ca. 50 Min.)

Inhaltsbeschreibung von amazon.de:
„Das Lamm öffnete das sechste Siegel. Da entstand ein gewaltiges Beben. Die Sonne wurde schwarz wie ein Trauergewand und der ganze Mond wurde wie Blut. Die Sterne des Himmels fielen herab auf die Erde.“ Offenbarung 6,12. Papst Johannes Paul III. ist zurückgetreten und spurlos verschwunden. Der Journalist Peter Adam stellt Nachforschungen an. Er stößt auf einen Orden, der seit Jahrhunderten gegen die Kirche arbeitet: Die Träger des Lichts. Die Verschwörer wollen den Weltuntergang herbeiführen. Sie stützen sich auf die Prophezeiung des Malachias: Der letzte Papst wird sich den Namen „Petrus II.“ geben. Mit ihm soll das Ende aller Tage kommen. Der vorletzte Name auf der Liste des Malachias ist der Name des verschwunden Papstes – Johannes Paul III. Peter stößt auf ein weiteres Geheimnis: Seine leiblichen Eltern sollen bei einem Unfall ums Leben gekommen sein. Doch tatsächlich gehörten sie einst zu den Trägern des Lichts. Peters eigene Vergangenheit ist eng mit den dunklen Mächten verbunden: Für die Verschörer ist offenbar er selbst der Schlüssel zur Apokalypse …

Meine Hörbuchbesprechung:
Eine Meldung aus dem Vatikan versetzt die ganze christliche Welt in Aufruhr: Papst Johannes Paul III. ist völlig unerwartet von seinem Amt zurückgetreten und darüber hinaus auch noch seitdem spurlos verschwunden. Kaum hat die katholische Kirche den ersten Schock über den Rücktritt ihres Oberhauptes überwunden, müssen auch schon die Vorbereitungen für das anstehende Konklave getroffen werden, bei dem der Nachfolger des Papstes gewählt wird. In Rom entbrennt ein erbitterter Machtkampf, denn nicht wenige Kardinäle sehen nun ihre Chance gekommen, die Zukunft der Kirche zu ihren Gunsten zu beeinflussen…

Der zurückgetretene Papst verschwindet spurlos und eine geheimnisvolle Prophezeiung kündigt den Weltuntergang an

Währenddessen werden quer über den Globus verstreut Menschen ermordet, die mit Franz Laurenz – so der bürgerliche Name des zurückgetretenen Papstes – in Verbindung gestanden haben. Der Journalist Peter Adam wird auf die Mordserie aufmerksam und stellt eigenen Nachforschungen an. In Rom empfängt er dabei eine beunruhigende Vision, welche die Explosion des Petersdoms und damit den Untergang des Vatikans zeigt. Angetrieben von diesem drohenden Schreckensszenario stößt Peter bei seinen Recherchen auf eine geheimnisvolle Prophezeiung, die den Untergang der Menschheit ankündigt. Gemeinsam mit der Ordensschwester Maria versucht der Journalist nun, das Rätsel um den verschwundenen Papst, die Morde und seine Vision aufzuklären. Dabei geraten die beiden jedoch in große Gefahr, denn sowohl die Polizei, die in Peter Adam den Hauptverdächtigen für die Todesfälle sieht, als auch ein uralter Geheimbund hängen den beiden an den Fersen und insbesondere letzterer schreckt vor nichts zurück, um sein Ziel zu erreichen…

Erster Serien-Webnovel der Welt 

„Apocalypsis“ von Mario Giordano hat vor rund einem Jahr für großes Aufsehen gesorgt und wurde vor allem von dem produzierenden Verlag Bastei Lübbe äußerst medienwirksam beworben. Das besondere an diesem Vatikan-Thriller ist nämlich, dass es sich bei „Apocalypsis“ um den (angeblich) ersten Serien-Webnovel der Welt handelt. Hinter diesem Ausdruck verbirgt sich ein digitaler und multimedialer Serienroman, der in verschiedenen Formaten und für verschiedene Plattformen erhältlich ist. Neben einer interaktiven App gibt es die Geschichte zum Beispiel auch als Read&Listen-eBook, als normales eBook, als Hörbuch und mittlerweile auch als ganz normales Taschenbuch. Außerdem wurde „Apocalypsis“ zunächst nur scheibchenweise veröffentlicht, aufgeteilt auf 13 wöchentlich erschienene Folgen, von denen der Prolog sozusagen als „Schnupperangebot“ kostenlos erhältlich war und immer noch ist. Mich persönlich hat die Hörbuchumsetzung am meisten angesprochen, zumal diese noch mit ein paar kleinen Extras versehen ist – dazu jedoch später mehr.

Rasantes Erzähltempo ab der ersten Minute

Kommen wir zunächst aber zur Geschichte selbst, denn hier fährt Mario Giordano gleich zu Beginn schon recht schwere Geschütze auf. Bereits im Prolog jagt ein Ereignis das nächste: Erst tritt der Papst zurück und taucht ab, dann kommt es zu einem brutalen Mord im Vatikan und am Ende der Folge fliegt bereits der Petersdom in die Luft. Zwar folgt wenig später Entwarnung – bei der verheerenden Explosion handelt es sich wie eingangs erwähnt nur um die Vision einer der Hauptfiguren – doch trotzdem nimmt das enorme Tempo der Story den Hörer ziemlich schnell gefangen. In der gleichen halsbrecherischen Geschwindigkeit geht es dann auch in den folgenden Episoden weiter, was nicht immer nur von Vorteil ist. Zwar sorgen die vielen schnellen Schnitte für ein hohes Maß an Abwechslung und Unterhaltung, allerdings ist die Erzählstruktur aber auch alles andere als geradlinig und kann gerade durch das hohe Erzähltempo den Hörer ziemlich schnell überfordern – wie es stellenweise bei mir der Fall war. Giordano springt nicht nur von einem Ort zum anderen, sondern zieht seine Geschichte auch auf mehreren Zeitebenen auf. Immer wieder durchbrechen Rückblenden, Visionen oder E-Mail-Auszüge den Erzählfluss und lenken von der Haupthandlung ab – allerdings in einem Ausmaß, das es zuweilen schwer macht, wieder zur eigentlichen Story zurückzufinden.

Komplizierte Erzählweise und wilder Verschwörungstheorien-Mix

Der Autor erzählt seinen Mystery-Thriller zudem nicht nur sehr bruchstückhaft, sondern wirft auch inhaltlich alle möglichen Zutaten der gängigen Verschwörungstheorien in einen Topf. Das Repertoire reicht dabei von Tempelrittern über Alchemisten bis hin zu gefährlichen Geheimorden und bietet dabei alles auf, was in diesem Genre Rang und Namen hat. Ob Nicholas Flamel und sein Stein der Weisen, der Alchemist Edward Kelly oder der Okkultist und Mystiker Aleister Crowley – wer hier einmal kurz nicht aufpasst, der ist beinahe schon verloren. Allerdings war dies mir persönlich alles zu viel des Guten, denn Mario Giordano schießt aus meiner Sicht viel zu weit über das Ziel hinaus. Alle möglichen Mythen, Verschwörungen, Prophezeiungen usw. werden nämlich immer nur sehr oberflächlich thematisiert, ohne dass man als Hörer Gelegenheit bekommt, sich intensiver mit der jeweiligen Materie auseinanderzusetzen. Die Wendungen und Enthüllungen kommen so schnell hintereinander, dass kaum Möglichkeiten zum Miträtseln bestehen und man diese mehr oder weniger einfach so hinnehmen muss, ohne sie hinterfragen zu können. Teilweise ist es derart anstrengend, den wirren Gedankengängen des Autors zu folgen, dass ich des öfteren kurz davor war, das Hörbuch entnervt abzubrechen. Allerdings schafft es Giordano dann meistens auch direkt wieder mit einer packenden Verfolgungsjagd oder einem wirkungsvollen Cliffhanger, das Interesse an der Geschichte wieder neu zu entfachen.

Etwas farblose Charaktere mit einem schlagfertigen Papst als Höhepunkt

Ein weiteres Problem hatte ich jedoch auch mit den Charakteren von „Apocalypsis“. Leider hat es keine der Figuren im Verlauf der Handlung geschafft, mir wirklich ans Herz zu wachsen – weder der Journalist Peter Adam noch die Nonne Maria haben mich sonderlich überzeugen können und blieben für meinen Geschmack ein wenig farblos. Auch die fast schon obligatorische Liebesgeschichte empfand ich eher als gekünstelt denn als wirklich glaubwürdig. Der interessanteste Charakter war aus meiner Sicht eindeutig Franz Laurenz alias Papst Johannes Paul III. Dieser ist mal überhaupt nicht so, wie man sich ein altes und ranghohes Mitglied der Kirche vorstellt. Ohne an dieser Stelle zu viel verraten zu wollen, so hat das ehemalige Kirchenoberhaupt noch die ein oder andere unterhaltsame Überraschung parat.

Der Sprecher:
Nun jedoch zum unangefochtenen Highlight des Hörbuches: Matthias Köberlin. Diesen kannte ich bisher nur als Schauspieler, der mir vor allem durch den thematisch durchaus verwandten Film „Das Jesus-Video“ (die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Andreas Eschbach) bekannt war. Dass Köberlin auch als Sprecher tätig ist, wurde mir durch „Apocalpysis“ zum ersten Mal bewusst.

Unglaublich wandlungsfähiger Sprecher

Matthias Köberlin hat eine sehr angenehme Stimme, die zwar von der Stimmfarbe an sich vielleicht nicht besonders prägnant ist, allerdings weiß der Sprecher diese hervorragend einzusetzen und zeigt sich dabei erstaunlich wandlungsfähig. Er verleiht den einzelnen Figuren durch seine sehr variablen Interpretationen einen sehr hohen Wiedererkennungswert, sodass die Lesung an manchen Stellen fast schon Hörbuchcharakter hat. Das geht teilweise so weit, dass Köberlins Stimme je nach Figur kaum noch wiederzuerkennen ist, so z.B. bei Edward Kelly oder dem geheimnisvollen Seth. Lediglich den Ex-Papst Franz Laurenz habe ich dem Sprecher nicht ganz abgekauft, dieser klingt für mich deutlich zu jung und nicht wie ein alterndes Kirchenmitglied. Abgesehen von diesem kleinen Kritikpunkt liefert Matthias Köberlin aber eine absolut tadellose Vorstellung, die Lust auf weitere Hörbuchumsetzungen mit diesem Sprecher macht.

Schlussfazit:
In meinen Augen ist „Apocalypsis“ wieder einer dieser Titel, die zur Kategorie „weniger wäre mehr gewesen“ gehören. Mario Giordanos Vorhaben ist ohne Frage ambitioniert, die Umsetzung wirkt an vielen Stellen jedoch völlig überzogen und nicht selten unglaubwürdig. Jede erdenkliche Verschwörungstheorie wird verwurschtelt, sofern diese auch nur annäherungsweise mit dem Vatikan oder der Kirchengeschichte in Verbindung stehen könnte. Auch die verworrene und bruchstückhafte Erzählstruktur ist eher anstrengend als spannungsfördernd und hat meine Geduld oft arg strapaziert. Allerdings muss man dem Hörbuch auch zugute halten, dass der Unterhaltungswert durch das rasante Erzähltempo recht hoch ist und die Cliffhanger größtenteils gut funktionieren. Allerdings geht deren Wirkung vermutlich ein wenig verloren, wenn man die Episoden wie ich direkt hintereinander hört und nicht immer eine Woche auf die nächste Folge warten muss.

Durchwachsener Vatikan-Thriller mit hervorragender technischer Umsetzung

Einen Bonuspunkt gibt es aber ohne wenn und aber für die technische Umsetzung der Geschichte. Hier sei nicht nur der hervorragende Sprecher Matthias Köberlin hervorgehoben, sondern auch die wirklich gelungene Geräuschkulisse und Musikuntermalung, die fast schon an ein Hörspiel erinnert. Stimmen werden immer wieder ein wenig verfremdet, sodass diese wie Radioreportagen oder Telefonate klingen, zudem sorgen einige stimmungsvolle Soundeffekte für eine packende Atmosphäre, die sehr gut zur Geschichte passt. Inhaltlich konnte mich „Apocalypsis“ zwar nicht immer überzeugen und auch mit den Charakteren bin ich nicht so richtig warm geworden, aber als Gesamtpaket betrachtet bietet Mario Giordanos turbulenter Vatikan-Thriller solide Unterhaltung für Fans von Verschwörungstheorien, wenngleich das Ganze zuweilen schon oft wie eine durchwachsene Dan-Brown-Kopie wirkt.

Meine Wertung: 6/10

Informationen:
Das Hörbuch hat eine Länge von ca. 17 Stunden und ist in 13 Folgen zu je 1,49 € im iTunes Store erhältlich. Alternativ gibt es „Apocalypsis“ auch als Taschenbuch, eBook, Read&Listen-eBook oder als interaktive App. Weitere Informationen gibt es auf der Verlag-Homepage.


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