Autor: Melanie Lahmer
Umfang: 463 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe
Erscheinungsdatum: 07. April 2012

Klappentext:
Ein Schüler verschwindet spurlos. Wenig später wird in einem Geocaching-Versteck im Rothaargebirge ein Finger gefunden, und an der Schule des Vermissten kursieren brutale Gewaltvideos. Kommissarin Natascha Krüger und ihre Kollegen suchen nach einem Täter – und ahnen nicht, welches grausame Spiel dieser mit ihnen spielt. Denn kurz darauf gibt es einen weiteren Geocaching-Fund …

Meine Buchbesprechung:
Bei der Polizei in Siegen geht eine Vermisstenmeldung ein: Der 18-jährige René Staudt wurde von seinen Eltern vor drei Tagen zuletzt gesehen und vom Schüler fehlt seitdem jede Spur. Das Ermittlerteam um Kommissarin Natascha Krüger und Hauptkommissar Hannes Winterberg nimmt sich des Falls an und entdeckt bei ihren ersten Nachforschungen mehrere Anzeichen, die Grund zur Sorge liefern. René wurde von seinen Eltern offenbar stark vernachlässigt, zudem litt er wohl unter dem Alkoholproblem seiner Mutter. In der Schule war der Junge auch nur Außenseiter und wurde von den meisten als etwas seltsam angesehen. Zu allem Überfluss hat sich kurz zuvor auch noch seine Freundin von ihm getrennt und ein vermeintlicher Abschiedsbrief deutet darauf hin, dass sich René möglicherweise etwas angetan hat.

Ein 18-jähriger Schüler verschwindet spurlos – einsamer Ausreißer oder Opfer eines Verbrechens?

Nach den ersten Tagen nimmt der Fall aber eine überraschende Wendung. In Siegen wurden zuvor bereits in zwei Geocaching-Verstecken abgetrennte Tierknochen gefunden, welche die Cacher-Szene in Aufruhr versetzt haben. Um weitere Vorfälle dieser Art zu verhindern, hat die Polizei die Siegener Geocacher darum gebeten, ihre platzierten Plastikbehälter aus dem Verkehr zu ziehen. Als sich dann aber herausstellt, dass es sich bei den Überresten nicht um die Knochen eines Tieres, sondern um die Finger eines Menschen handelt, sind Natascha Krüger und ihr Team alarmiert. Besteht vielleicht ein Zusammenhang zwischen dem Verschwinden des Schülers und den grausamen Funden und ist René Staudt womöglich sogar einem Verbrechen zum Opfer gefallen?

Nach Poznanskis „Fünf“ ein weiterer Krimi mit Geocaching-Thematik 

Als ich die Inhaltsbeschreibung zu Melanie Lahmers Debütroman „Knochenfinder“ zum ersten Mal gelesen habe, fühlte ich mich dort sehr stark an Ursula Poznanskis Thriller „Fünf“ erinnert und befürchtete aufgrund der gemeinsamen Geocaching-Thematik einen billigen Abklatsch. Die überraschend guten Bewertungen bei Amazon.de haben mich jedoch neugierig auf das Buch gemacht und so war ich umso erfreuter, als ich „Knochenfinder“ im Rahmen von Bloggdeinbuch.de zum Rezensieren erhalten habe. Denn trotz des auf den ersten Blick ähnlichen Inhaltes bietet Melanie Lahmern ihren Lesern eine eigenständige und spannende Geschichte, die sich bei genauerem Hinsehen doch deutlich von „Fünf“ unterscheidet. Das Szenario ist zwar nicht mehr ganz so originell wie bei Ursula Poznanski, doch da sich das Geocaching momentan großer Beliebtheit erfreut, kann eine weitere literarische Annäherung an diese populäre Freizeitbeschäftigung sicherlich nicht schaden.

Kommissarin Natascha Krüger – eine Exil-Kölnerin mit spezieller Wahrnehmung

Hauptfigur des Kriminalromans ist die Polizistin Natascha Krüger, die eher unfreiwillig ihren Dienst in der Provinz des Siegerlandes absolviert. Nach ihrem Studium hatten die meisten ihrer Kommilitonen vermeintlich reizvollere Regionen wie das Rheinland zugeteilt bekommen, nur Natascha musste mit der aus ihrer Sicht ziemlich eintönigen Gegend rund um Siegen vorlieb nehmen. Ihr bleibt aber kaum Zeit, um sich über die neuerliche abgelehnte Versetzung zu ärgern, denn der Fall um den verschwundenen René Staudt fordert ihre volle Aufmerksamkeit. Als Protagonistin ist die Figur der Natascha Krüger sehr gelungen, die Exil-Kölnerin wirkt direkt sehr sympathisch, was sich auch durch das gesamte Buch zieht. Zudem hat Natascha noch eine kleine Besonderheit: Die Kommissarin ist nämlich Synästhetikerin, d.h. sie hat eine besondere Wahrnehmung und nimmt Gerüche als Farben oder Zahlen dar. Vor ihren Kollegen versucht sie das zwar zu verheimlichen, um nicht als sonderbar darzustehen, doch im Verlauf der Geschichte ist dieser kleine „Tick“ durchaus nicht unwichtig.

Spannende Verknüpfung von Ermittler-Privatleben und Kriminalfall

Ich persönlich fand aber die zweite Hauptfigur, den Hauptkommissar und Ermittlungsleiter Hannes Winterberg, noch eine Spur interessanter, was vor allem an dessem familiären Hintergrund liegt. Winterberg ist nämlich Vater zweier pubertierender Söhne, von denen vor allem der ältere Niklas für Unruhe sorgt. Gerade erst hat dieser von der Schule eine Aufforderung zum Drogentest erhalten, was dem pflichtbewussten Polizisten natürlich überhaupt nicht passt. Es kommt allerdings noch dicker, als er nämlich von zweifelhaften Vorgängen an der Schule seines Sohnes erfährt, in die Niklas offenbar verwickelt ist und die anscheinand auch im Zusammenhang mit dem Verschwinden von René stehen. Kommissare mit schwierigem Privatleben sind zwar im Krimigenre zwar längst nichts Neues mehr, aber in der Regel beschränken sich die Probleme auf Konflikte mit dem Partner, daher fand ich diese Vater-Sohn-Geschichte schon sehr spannend – noch dazu weil diese nicht nur schmückendes Beiwerk ist, sondern auch wirklich was zum eigentlichen Fall beiträgt. Außerdem fördert diese angespannte familiäre Situation einige interessante Charakterzüge des Ermittlers zutage, die der Figur eine angenehme Tiefe verleihen.

Geocaching für Einsteiger

Die Story selbst ist spannend geschrieben und überraschenderweise gar nicht so blutig wie im Klappentext angedeutet. Obwohl das Thema Gewalt im späteren Verlauf eine große Rolle spielt, kommt Melanie Lahmer doch ohne reißerische Beschreibungen oder grausige Details aus. Eine weitere Überraschung gibt es auch beim Thema Geocaching, denn wer eine makabre GPS-Schnitzeljagd wie bei Poznanskis „Fünf“ erwartet, der wird vermutlich ein wenig enttäuscht. Es gibt keine mysteriösen Rätsel für die Kommissare und auch keine Hetzjagd von Cache zu Cache, stattdessen kommt das Geocaching erst verhältnismäßig spät in die Geschichte, da sich die Story zunächst einmal auf das Verschwinden des Schülers konzentriert und die grausigen Knochenfunde nur durch kurze Einschübe geschildert werden. Erst als ein Zusammenhang zum Fall René Staudt erkennbar wird nimmt sich die Autorin des Geocachings verstärkt an und liefert eine kurze Erklärung des beliebten Freizeitsports. Das geschieht allerdings insgesamt etwas oberflächlich und geht bei weitem nicht so sehr ins Detail wie bei „Fünf“. Für das Verständnis des Grundprinzips ist das aber mehr als ausreichend. Ein schöner Nebeneffekt des Geocaching-Themas ist zudem, dass dem Leser dadurch auch die Region rund um Siegen etwas nähergebracht wird und viele Szenen in der freien Natur spielen, sodass ein gelungenes regionales Flair entsteht. Dafür ist aber leider die Auflösung der Story etwas dürftig gelungen: Die Enthüllung des Täters sorgt kaum für große Überraschungen, überdies empfand ich die Motivation für sein Handeln doch als etwas dürftig und wenig glaubwürdig.

Schlussfazit:
Melanie Lahmer hat mit „Knochenfinder“ einen Debütroman hingelegt, der wirklich gut unterhält und spannend und flüssig geschrieben ist. Von dem etwas reißerisch klingenden Klappentext sollte man sich nicht blenden lassen, denn insgesamt verläuft die Geschichte ohne großes Blutvergießen und ist daher auch für zartbesaitete Gemüter bestens geeignet. Das Erzähltempo des Romans ist ebenfalls sehr angenehm, zudem wissen die beiden Hauptfiguren zu gefallen, wobei besonders der männliche Protagonist einige interessante Facetten aufweist.

Leider ist die Story aber auch etwas überraschungsarm und verläuft weitestgehend recht gradlinig, sodass die Suche nach dem vermissten Schüler zwar packend, das Spannungs-Niveau aber nicht den allerhöchsten Level erreicht. Noch dazu gibt die aus meiner Sicht ein wenig enttäuschende Motivation des Täters Punktabzüge. Dafür überzeugt aber das Siegerland als atmosphärische Kulisse und kommt durch die Geocaching-Thematik auch gut zum Tragen. Wer also auf der Suche nach einem soliden Regionalkrimi mit sympathischen Ermittlern ist oder selbst gerne dem Geocaching nachgeht, der wird von „Knochenfinder“ sicherlich gut unterhalten. Der direkte Vergleich mit Ursula Poznanskis „Fünf“ endet aus meiner Sicht unentschieden.

Meine Wertung: 7/10

Informationen:
Der Titel „Knochenfinder“ von Melanie Lahmer ist bei Bastei Lübbe erschienen und hat einen Umfang von 463 Seiten. Das Buch kann für 8,99 € hier bestellt werden. An dieser Stelle auch vielen Dank an Bastei Lübbe und Bloggdeinbuch.de, die mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben!


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