Autor: Kjetil Try
Umfang: 384 Seiten
Verlag: rororo Taschenbuch
Erscheinungsdatum: 02. November 2009

Klappentext:
Oslo, im Dezember: Am Abend noch wurde Theaterstar Reidar Dahl als Josef im „Weihnachtsevangelium“ gefeiert, am nächsten Morgen ist er spurlos verschwunden. In Dahls Gefriertruhe macht Kommissar Rolf Gordon Lykke einen grausigen Fund: die Eingeweide des Schauspielers – nur eine Niere fehlt. Kurz darauf werden die Innereien einer vermissten Ordensschwester entdeckt. Ein Serienmörder? Organhandel? Lykkes Team steht gewaltig unter Druck. Denn sie ahnen, dass es schon bald weitere Opfer geben könnte.

Meine Buchbesprechung:
Während sich die meisten Einwohner Oslos vollends in die Weihnachtsvorbereitungen stürzen und noch letzte Besorgungen erledigen, hat die örtliche Polizei ein ganz anderes Problem. Seit mehreren Tagen wird der bekannte Theaterschauspieler Reidar Dahl vermisst, der kurz zuvor noch für seine Rolle im „Weihnachtsevangelium“ gefeiert wurde. Der Druck auf das Ermittlungsteam unter der Leitung von Rolf Gordon Lykke wächst immer mehr und in den Medien wird mittlerweile die Kompetenz der Polizei infrage gestellt.

Ein bekannter Theaterschauspieler wird vermisst – bis man dessen Organe findet…

Erst als der Sohn des Vermissten endlich zur Verfügung steht und mit Lykkes Team noch einmal die Wohnung seines Vaters aufsucht, kommt Bewegung in den Fall. Während Mattis Dahl nämlich die Räume auf möglicherweise fehlende Gegenstände überprüft, machen die Polizisten eine grausige Entdeckung: In der Gefriertruhe befindet sich ein Beutel mit Organen, die auf den ersten Blick menschlichen Ursprungs zu sein scheinen. Wenig später wird der Verdacht bestätigt: Die Eingeweide gehören zu Reidar Dahl, dessen Leiche aber weiterhin nicht gefunden werden kann. Wer könnte ein Motiv für den Mord am Schauspieler gehabt haben? Ist ihm eine seiner zahlreichen Affären zum Verhängnis geworden, neidete ihm jemand seinen beruflichen Erfolg oder handelt es sich womöglich sogar um großangelegten Organhandel?

Ein „Normalo“-Ermittler ohne Eskapaden – erfrischend anders 

„Denn ihrer ist das Himmelreich“ ist der erste Kriminalroman des norwegischen Autors Kjetil Try und damit auch zugleich der erste Auftritt von Kommissar Rolf Gordon Lykke. Abgesehen von dem bescheuerten Namen hat der gute Mann Mitte fünfzig aber eigentlich im Leben bisher Glück gehabt. Bei der Polizei wird Lykke aufgrund seiner Erfahrung und seiner Fähigkeiten geschätzt und respektiert, zudem ist er mit einer deutlich jüngeren, attraktiven Frau verheiratet, die ihm vor fünf Jahren sogar in seinem fortgeschrittenen Alter nochmal eine Tochter geschenkt hat. Damit stellt Lykke zunächst einmal eine willkommene Abwechslung zum klassischen skandinavischen Ermittler dar, wie er in den Krimis von Henning Mankell, Jo Nesbø und Co. so gerne verwendet wird. Der alte Hase ist eigentlich von Beginn an sympathisch und kommt mit seinem Auftreten zumindest so rüber, als hätte er Ahnung von seinem Beruf. Er arbeitet gründlich und gewissenhaft und geht lieber einem Hinweis zu viel nach, als möglicherweise eine vielversprechende Spur zu versäumen. Auch seine Kollegen erkennen ihn als Leitwolf an, sodass der Leser nicht nur einen angenehmen Protagonisten, sondern zudem ein  weitestgehend harmonisches Ermittlerteam präsentiert bekommt. Insbesondere mit seiner ausländischen Kollegin Parisa Sadegh kommt Lykke sehr gut aus und er hält große Stücke auf sie. Die einzigen Probleme sind da eigentlich hausgemachter Natur: So kommt es immer wieder zu kleineren Reibereien mit dem ehrgeizigen Ted Eriksen, der die Osloer Polizei gerne mal mit dem FBI verwechselt. Auch im privaten Bereich macht sich Lykke das Leben unnötig selbst schwer. Es plagen ihn nämlich des öfteren Zweifel, ob seine Frau nicht doch lieber einen jüngeren Partner hätte. Das allerdings wirkt an manchen Stellen ziemlich übertrieben und albern und nervt auf die Dauer ein wenig, zumal ihm seine Ehefrau nicht wirklich Anlass zur Sorge gibt. Anstatt seine Ängste aber mit Alkohol zu betäuben, geht Lykke lieber in seinen Keller und puzzelt – fast schon langweilig, aber irgendwie sympathisch…

Solide Story: Packend & handwerklich gut geschrieben

Auch storymäßig kann „Denn ihrer ist das Himmelreich“ überzeugen. Zwar ist die Geschichte um einen Serienmörder, der die Organe seiner Opfer in der norwegischen Hauptstadt verteilt, nicht sonderlich spektakulär und rasant, doch der Plot ist solide konstruiert und flüssig geschrieben, sodass man sich ziemlich leicht in der Handlung fallenlassen kann. Dabei geht es hin und wieder auch mal eine Spur deftiger zur Sache, wie gleich das erste Kapitel klar macht. Auf den ersten Seiten beschreibt Kjetil Try nämlich, wie ein Mann einem Obdachlosen mitten auf der Straße das Bein amputiert – mit einem solchen Auftakt hatte ich bei diesem Buch ehrlich gesagt nicht gerechnet. Insgesamt hält sich der Gewaltpegel aber auf einem erträglichen Level, sodass man sich auch als eher zarteres Gemüt nicht direkt abgestoßen fühlen muss. Manchmal ist die Geschichte an sich jedoch ein wenig sprunghaft und es scheint fast so, als würden Passagen fehlen. So ist mir zum Beispiel immer noch nicht klar, wie die Ermittler so schnell die Identität des zweiten Opfers herausgefunden haben. Dafür kann der Autor aber vor allem mit dem Schluss punkten, der ein wenig ungewöhnlich und schon fast skurril daherkommt. Positiv ist auch, dass bis zum Ende über die Motivation des Täters gerätselt werden darf: Religiöser Spinner, Mörder aus Eifersucht oder skrupelloser Organhänder – Kjetil Try hält sich lange alle Optionen offen.

Schlussfazit:
Für mich war „Denn ihrer ist das Himmelsreich“ einer dieser unverhofften Zufallstreffer: Ich habe das Buch vor einer Weile auf dem Wühltisch der Buchhandlung meines Vertrauens gefunden und dank „Mängelexemplar“-Stempel für wenig Geld größtenteils auf gut Glück erworben – und dann erstmal auf meinem SUB abgelegt und vergessen. Dann war das Buch aber einfach mal an der Reihe – und hat mich wirklich positiv überrascht. Natürlich ist Kjetil Trys Krimi-Debüt nicht besonders spektakulär oder tiefgründig, doch handwerklich kann man dem Autor kaum etwas vorwerfen. Die Geschichte ist spannend, gut geschrieben und bietet sympathische Charaktere, die sich gerade durch ihre fehlenden Probleme wohltuend von den vielen kaputten Existenzen im Krimi-Genre abheben. Die privaten Sorgen von Rolf Lykke sind teilweise so harmlos, dass es fast schon lächerlich ist, aber genau das macht den Kommissar eben so natürlich und menschlich. Ein Ermittlerteam mit lauter Durchschnittsbürgern – herrlich normal und durch die Einfachheit irgendwie erfrischend.

Einfach und gut – manchmal ist weniger eben mehr

Dadurch wird „Denn ihrer ist das Himmelreich“ zu einem guten Roman für Einsteiger in den Bereich der skandinavischen Kriminalromane, da dieses Buch bei weitem nicht so düster und trostlos wirkt wie seine Genre-Kollegen. Doch auch erfahrene Leser werden mit Kjetil Trys Krimi sicherlich ihren Spaß haben, wenn sie ihre Erwartungen nicht allzu hoch schrauben und ausgefeilte Charaktere oder eine komplizierte Story erwarten. Ich habe das Buch jedenfalls ziemlich zügig durchgelesen und werde mir sicherlich auch den zweiten Band mit Rolf Gordon Lykke („Und ewig währt die Hölle“) besorgen. Es muss nicht immer große Literatur sein, um zu unterhalten, und für ein paar kurzweilige spannende Stunden ist „Denn ihrer ist das Himmelreich“ allemal eine gute Wahl.

Meine Wertung: 8/10

Informationen:
„Denn ihrer ist das Himmelreich“ von Kjetil Try ist bei rororo Taschenbuch erschienen und hat einen Umfang von 384 Seiten. Das Buch ist für 8,95 € als Taschenbuch erhältlich. Weitere Infos gibt es auf der Verlags-Homepage.


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