Autor: Linwood Barclay
Umfang: 576 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch
Erscheinungsdatum: 15. April 2011

Klappentext:
Sonne, Softeis, Kinderlachen. So hatte sich David den heutigen Tag vorgestellt. Ein Ausflug nach Five Mountains würde Davids Sohn Ethan gefallen. Auch seine depressive Frau Jan würde auf andere Gedanken kommen. Als sie in der Menge verschwindet, wird David panisch. Will sie sich etwas antun? Später zeigen die Überwachungskameras ihn mit seinem Sohn an der Kasse – ohne Jan. Plötzlich steht David selbst im Zentrum der Ermittlungen: unter Mordverdacht …

Meine Buchbesprechung:
David Harwood, ein Reporter in der amerikanischen Kleinstadt Promise Falls, fährt mit seiner Ehefrau Jan und dem gemeinsamen vierjährigen Sohn Ethan in den nahegelegenen „Five Mountains“-Vergnügungspark, um nach längerer Zeit mal wieder ein paar unbeschwerte Stunden mit seiner Familie zu verbringen. Jan ging es in den letzten Wochen nicht besonders gut, denn immer wieder litt sie unter Stimmungsschwankungen und wirkte auf ihren Mann depressiv und zuweilen sogar selbstmordgefährdet. Doch auch David hatte den Kopf zuletzt nur selten frei, recherchierte er doch an einer vermeintlich aufsehenerregenden Story: Ein dubioser Unternehmer plant in Promise Falls nämlich die Errichtung einer privaten Haftanstalt und soll zu diesem Zweck mehrere Mitglieder des Stadtrats bestochen haben, was eine geheimnisvolle Informantin dem Journalisten berichtet hat.

Ein unbeschwerter Familienausflug wird zum Albtraum

Umso mehr freuen sich die beiden Eltern auf den Ausflug mit ihrem Sohn, doch schon kurz nach der Ankunft im Park müssen sie bereits den ersten Schreckmoment verkraften. Während David für Ethan ein Eis kauft, verliert Jan den Jungen plötzlich aus den Augen. Die beiden suchen verzweifelt das Gelände nach dem Vierjährigen ab und David fällt ein riesiger Stein vom Herzen, als er seinen Sohn schließlich wiederfindet. Doch als er daraufhin zu Jan zurückkehren möchte, muss er feststellen, dass nun seine Frau spurlos verschwunden ist, die im Gegensatz zu Ethan auch nicht wieder auftaucht. David schaltet daraufhin die Polizei ein, doch unerwartet bringt er sich dadurch selbst ins Fadenkreuz der Ermittlungen. Denn Jan ist nicht auf den Überwachungsvideos des Parks zu sehen und der ermittelnde Detective findet heraus, dass die Harwoods auch nur zwei Eintrittskarten online gekauft hatten…

Hochspannung ab der ersten Seite

Es gibt Bücher, die fesseln den Leser ab der ersten Seite und lassen ihn dann auch so schnell nicht wieder los. Zu diesen Titeln gehört eindeutig auch Linwood Barclays Thriller „Kein Entkommen“, der bereits sehr verheißungsvoll beginnt. Im kurzen Prolog begleitet man die Harwoods auf dem Weg in den Vergnügungspark, doch irgendwie spürt man direkt, dass etwas nicht stimmt. Das Verhältnis zwischen David und Jan wirkt angespannt, als hätte es kurz zuvor einen Streit gegeben oder ein anderes Ereignis hätte einen Schatten auf die heile Familienwelt geworfen. Dann kommt es plötzlich Schlag auf Schlag: Erst verschwindet der kleine Ethan und bei den Eltern bricht eine erste Panik aus – äußerst nachvollziehbar, denn wenn man ein Kleinkind mitten in einem brechend vollen Park verliert, kann man die Ängste der beiden mehr als verstehen. Auf den kurzen Moment der Erleichterung, in dem Ethan wieder aufgefunden wird, folgt dann sogleich der nächste Schock: Nun ist auf einmal Jan verschwunden und selbst eine schnell eingeleitete Suchaktion bringt keine Ergebnisse.

Geschickte Erzählweise lässt kaum Zeit zum Luftholen

Dann springt Barclay mehrere Tage zurück in die Vergangenheit und der Leser erfährt mehr über die Situation der Harwoods, über Davids geheimnisvolle Recherchen und Jans offensichtliche Depressionen. Das ist der Punkt, an dem man sich bereits erste Erklärungen für die Ereignisse im Park zusammenreimt. Wurde Jan vielleicht von dem zwielichtigen Unternehmer und seinen Handlangern entführt, um David von der heinklen Story abzubringen oder hat sich die Ehefrau sogar womöglich etwas angetan? Dann folgt der nächste Zeitsprung und wir befinden uns wieder im „Five Mountains“, wo David der Polizei das Verschwinden seiner Frau erklären muss. Nach und nach ergeben sich dabei immer mehr Ungereimtheiten und der Reporter findet sich auf einmal in der Rolle des Beschuldigten wieder.

Eine sympathische Hauptfigur, die sich gegen falsche Anschuldigungen wehren muss

Über weite Strecken erzählt Linwood Barclay seine Geschichte aus der Perspektive von David Harwood, wodurch dieser sehr schnell zur Identifikationsfigur wird. Seine forsche Herangehensweise als Reporter und seine Unerschrockenheit in Interviews weiß schnell zu beeindrucken, doch auch seine einfühlsame Rolle als Ehemann und Vater sorgt für das Ansammeln von Sympathiepunkten. Einerseits will er seine depressive Frau nicht unnötig drängen, doch er macht sich auch ernsthaft Sorgen um Jan und wirkt letztlich irgendwie hilflos. Als dann plötzlich seine heile Welt zusammenbricht, kann man sehr gut mit David mitfühlen, denn er verhält sich genau so, wie man sich vermutlich auch selbst verhalten würde. Als Leser weiß man von der ersten Seite, dass David zu Unrecht beschuldigt wird und so will man die Vorwürfe wie er selbst gar nicht wahr haben.

Clever platzierte Hinweise laden zum munteren Miträtseln ein

Andererseits macht Barclay das auch äußerst geschickt. Er stellt dem Reporter David Harwood mit dem Detective Barry Duckworth einen Gegenspieler gegenüber, der aber auch nicht wirklich als Bösewicht wahrgenommen wird. Das liegt vor allem daran, dass auch Duckworth absolut nachvollziehbar agiert und ihm praktisch keine andere Möglichkeit bleibt, als David zu verdächtigen. Zu eindeutig sind die Indizien, die gegen den Familienvater sprechen. Im folgenden entwickelt sich somit ein sehr spannender und packender Psychothriller, der ein enorm hohes Erzähltempo aufweist und den Leser von einer Wendung zur nächsten jagt. Man möchte das Buch kaum aus der Hand legen, bis man nicht genau weiß, was mit Jan Harwood passiert ist. Dabei ist es meist nicht so, dass Barclay sein Publikum gezielt auf falsche Fährten lockt. Vielmehr bietet er dem Leser oft mehrere Alternativen, die aber alle absolut plausibel und im Bereich des Möglichen erscheinen, bei denen es aber kaum möglich ist, alleine die richtige Lösung herauszufinden. So auch beispielsweise beim Auffinden einer Frauenleiche, wofür es zwei Erklärungen zu geben scheint. Barclay legt die Hinwese aber so geschickt, dass man es über mehrere Kapitel nicht schafft, die korrekte Variante zu entschlüsseln, sodass man gebannt auf die Auflösung warten muss.

Nervenkitzel ohne großes Blutvergießen

Besonders hervorzuheben ist dabei, dass der Autor fast komplett ohne Blutvergießen auskommt, was dem Nervenkitzel aber keinen Abbruch tut. Gegen Ende hin wird die Geschichte dann schon ein wenig wild und abgedreht, was ich aber nicht unbedingt als unglaubwürdig bezeichnen würde. Allerdings stellt sich mir die Frage, ob vielleicht eine etwas kleinere Lösung nicht noch wirkungsvoller gewesen wäre.

Schlussfazit:
„Kein Entkommen“ von Linwood Barclay ist ein rasanter und hochspannender Psychothriller, der seine Leser von Beginn an fesselt und anschließend durch ein Wellenbad der Gefühle jagt. Es gibt kaum Zeit zum Luftholen, ständig bietet der Autor eine neue Entwicklung, die man als Leser erst mal verkraften muss. Besonders faszinierend ist, wie Barclay mit den Gedanken des Leser spielt, indem er ihm immer wieder kleine Hinweise bietet, die dann zu wilden Spekulationen herausfordern.

Spannender und immer wieder überraschender Psychothriller

Wichtig ist bei dieser Geschichte natürlich auch eine funktionierende Hauptfigur, und diese ist mit dem Reporter David Harwood auch sehr gut gelungen. Der Protagonist eignet sich hervorragend als Sympathieträger und Identifikationsfigur und bringt zudem auch noch ein bis zwei interessante Nebenhandlungen mit, die mal mehr und mal weniger mit der eigentlichen Story zusammenzuhängen scheinen. Das Buch wird auf der Rückseite mit dem Zitat „Der beste Thriller, den ich in den letzten fünf Jahren gelesen habe“ von keinem geringeren als Stephen King beworben, was die Erwartungen natürlich enorm in die Höhe treibt. Das ist vielleicht letztlich auch ein wenig übertrieben, doch abgesehen vom etwas zu wilden Ende ist „Kein Entkommen“ sehr nah am perfekten Thriller. Wer auf der Suche nach einer durchweg spannenden und überraschenden Geschichte ohne große Brutalität ist, der sollte sich das Buch unbedingt einmal anschauen.

Meine Wertung: 9/10

Informationen:
„Kein Entkommen“ von Linwood Barclay ist im Ullstein Taschenbuch Verlag erschienen und hat einen Umfang von 576 Seiten. Das Buch ist für 9,99 € als Taschenbuch erhältlich. Weitere Infos gibt es auf der Verlags-Homepage.


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