Autor: Sharon Bolton
Sprecher: Achim Grauer
Länge: 16 Std. 07 Min. (ungekürzt)

Inhaltsbeschreibung von audible.de
Es gibt eine Zeit zu leben. Eine zu sterben. Und eine zu töten. Die Familie Fletcher ist erst vor kurzem aufs Land gezogen. Doch die vermeintliche englische Dorfidylle entpuppt sich bald als Alptraum. Die beiden Söhne der Fletchers hören auf dem Friedhof nahe des Hauses rätselhafte Stimmen und sehen immer wieder die seltsame Gestalt eines Kindes. Als eine Friedhofsmauer einstürzt und ein Grab mit den Überresten dreier Mädchen freigelegt wird, ist klar, dass der Ort ein tödliches Geheimnis birgt. Auch der neue Vikar, Harry Laycock, und die Psychotherapeutin Evi Oliver werden in die rätselhaften Vorgänge um verschwundene Mädchen und ein unfassbares Verbrechen hineingezogen. Und die kleine Tochter der Fletchers könnte das nächste Opfer eines rätselhaften Killers sein…

Zum Hörbuch:
Harry Laycock ist der neue Vikar im kleinen englischen Dorf Heptonclough in der Nähe von Blackburn. In der idyllischen Ortschaft sind neue Bewohner eher selten und Gottesdienste fanden dort auch schon seit Jahren nicht mehr statt. So steht der Vikar mit seinen Ambitionen, die Dorfkirche wieder zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt Heptoncloughs zu etablieren, vor keiner leichten Aufgabe. Dazu kommt noch, dass er sich in die verschworene Dorfgemeinschaft ebenfalls erst einmal eingliedern muss. Dieses Schicksal teilt er jedoch mit der Familie Fletcher mit ihren beiden Söhnen Tom (10) und Joe (6) und ihrer Tochter Millie (2). Diese sind ebenfalls gerade erst in das Dorf gezogen und haben sich in dem Haus nahe der alten Kirche niedergelassen.

In ihren ersten Wochen in Heptonclough machen die Zugezogenen die Bekanntschaft mit den Einwohnern des Dorfes, zum Beispiel mit der psychisch labilen Gillian, die ihre Tochter Hayley vor Jahren bei einem Wohnungsbrand verloren hat. Gillian selbst glaubte jedoch nie an den Tod ihres Kindes und durchstreift die Moore immer noch auf der Suche nach Hayley. Seit kurzem ist sie aber bei der Psychiaterin Evi Oliver in Therapie, die seit einem Unfall nur noch sehr beschwerlich laufen kann. Evi ist auch diejenige, die als eine der ersten Dorfbewohner eine engere Beziehung zum neuen Vikar Harry aufbaut. Von ihr erfährt Harry auch, dass in Heptonclough bereits früher sehr junge Mädchen verschwunden oder gestorben sind. Als Harry und die Söhne der Fletchers wenig später unheimliche Stimmen an scheinbar verlassenen Orten hören, wird dem Vikar langsam aber sicher klar, dass das so beschaulich wirkende Dörfchen ein dunkles Geheimnis umgibt. Erst recht, als beim Einsturz einer Friedshofsmauer die Leichen von drei kleinen Kindern freigelegt werden…

Sharon Boltons Thriller „Bluternte“ beginnt direkt mit dem grausigen Leichenfund, sodass der Einstieg in die Geschichte schon einmal ziemlich fesselnd gerät. Anschließend macht die Handlung aber einen Sprung neun Wochen zurück in die Vergangenheit. Der neue Vikar und die Fletchers sind gerade erst in Heptonclough angekommen und treffen langsam auf die angestammten Bewohner. So wird der Hörer nach und nach mit den handelnden Figuren bekanntgemacht und wird auch mit der mysteriösen Vorgeschichte des Dorfes vertraut. Dies erfolgt in einem Tempo, welches eigentlich sehr gut zur beschaulichen Dorfidylle passt. Bolton nimmt sich enorm viel Zeit, die einzelnen Personen auszuarbeiten, sodass sich der Leser gut an die verschiedenen Charaktere gewöhnen kann.

Interessant sind hier besonders der Vikar Harry, die Psychiaterin Evi und die traumatisierte Gillian. Vor allem der Geistliche wird schnell zum echten Sympathieträger: aufgeschlossen, offen, freundlich – Bolton macht es ihren Lesern und Hörern nicht allzu schwer, den neuen Vikar ins Herz zu schließen. Gut gelungen ist auch die Figur der Ärztin, die zwar manchmal etwas kratzbürstig ist aber ebenfalls ein großes Herz hat. Durch ihre Behinderung ist sie aber gelegentlich auch ein wenig stur, was vor allem Harry zu Beginn zu spüren kommt. Mit fortschreitender Handlung entwickelt sich zwischen den beiden Hauptfiguren eine sehr vertraute Beziehung, die im späteren Verlauf immer an der Grenze zur Romanze herumtänzelt. Gillian hingegen wird immer noch schwer vom Verlust ihrer geliebten Tochter geplagt und so fällt es ihr schwer, wieder im Alltag Fuß zu fassen. Zwar hat die Behandlung bei Dr. Oliver ihre Situation schon etwas gebessert, doch eine richtige Veränderung durchlebt sie erst seit dem Auftauchen des neuen Vikars. So fühlt auch sie sich immer mehr zu Harry hingezogen, was natürlich zu einem Konkurrenzkampf der beiden Frauen führt, aber auch das Vertrauensverhältnis von Therapeutin und Patientin auf eine harte Probe stellt.

Nach der recht ausführlichen Einführungsphase häufen sich dann langsam die unerklärlichen Ereignisse in Heptonclough, welche vor allem Harry und den Fletcher-Jungs widerfahren. Alle drei hören in regelmäßigen Abständen immer wieder unheimliche Stimmen, zum Beispiel in den scheinbar verlassenen Kirchenräumen. Während Tom den Geräuschen eher ängstlich gegenüber steht, versucht der Vikar natürlich, für die Stimmen eine rationale Erklärung zu finden. Zudem kristallisiert sich immer mehr hinaus, dass es offenbar jemand auf kleine Mädchen abgesehen hat, so auch auf die zweijährige Millie Fletcher, die nur knapp einem tödlichen Unfall entgeht.

Obwohl es Bolton recht gut gelingt, diese spezielle Atmosphäre des Dorfes (mit seinen mitunter recht ungewöhnlichen Riten und Bräuchen) zu erzeugen, sorgen die „Spukgeräusche“ eher wenig für Grusel oder gar Horror. So sind die mysteriösen Stimmen zum Beispiel bei weitem nicht so eindringlich geschildert wie in Yrsa Sigurdardottirs grandiosem „Geisterfjord“. So sind die ersten zwei Drittel der Geschichte auch stellenweise etwas zäh und langatmig, hier fehlt es der Story eindeutig etwas an Geschwindigkeit. Dies ändert sich aber glücklicherweise mit dem Auffinden der Kinderleichen. Von diesem Zeitpunkt an zieht die Spannungsschraube deutlich an und führt immer mehr auf ein überraschendes und verstörendes Ende hin, welches schließlich restlos überzeugt. Hier gelingt es der Autorin dann auch endlich, für Schrecken und Bestürzung zu sorgen. Lobenswert ist hier besonders, dass Bolton eine glaubwürdige und vor allem realistische Auflösung der vermeintlichen Mystery-Elemente liefert.

Zum Sprecher:
„Bluternte“ wird gelesen von Achim Grauer, der mir bisher absolut unbekannt war. So brauchte ich anfangs auch ein bis zwei Stunden, um mich an seine Stimme zu gewöhnen. Diese passt jedoch nahezu perfekt zum Protagonisten der Geschichte, dem Vikar Harry Laycock. Grauer liest unaufgeregt und ruhig, was den Charakter Harrys hervorragend untermauert. Leider klingen jedoch fast alle Figuren gleich, so ist es manchmal nicht sofort ersichtlich, ob gerade der 10-jährige Tom, der Vikar oder die Psychiaterin Evi spricht. Hier wäre eine bessere Unterscheidung der einzelnen Charaktere wünschenswert gewesen. Zudem kann es vorkommen, dass Grauer mitunter ein wenig einschläfern klingt, gerade weil das Erzähltempo in der ersten Hälfte des Buches ohnehin schon nicht wirklich hoch ist.

Mein Fazit:
„Bluternte“ ist kein Hörbuch für Fans von temporeichen und actiongeladenen Geschichten. Zwar wird das Buch als „Thriller“ vermarktet, allerdings würde es die Bezeichnung Krimi viel besser treffen. So geraten die ersten acht bis zehn Stunden ein wenig zu gemütlich, Spannung mag noch nicht wirklich aufkommen, obwohl die Story an sich eigentlich gut aufgebaut wird. Sharon Bolton legt viel Wert auf Charakterzeichnung und Atmosphäre, das dunkle Geheimnis des Dorfes wird aber eigentlich erst in den letzten vier Stunden thematisiert. Gelungen ist jedoch das schockierende und sehr dramatische Ende, welches den Hörer vermutlich ein wenig verstört zurücklässt. Für Freunde von eher gemächlichen englischen Krimis wie „Inspector Barnaby“ und Co. ist „Bluternte“ aber allemal eine Empfehlung wert, wer einen hochspannenden Mystery-Thriller erwartet wird von dem Hörbuch eher enttäuscht werden.

Meine Wertung: 7/10

Informationen:
„Bluternte“ von Sharon Bolton hat eine Spieldauer von 16 Std. und 07 Min. und ist ungekürzt für 29,95 € bei audible.de erhältlich. Im Flexi-Abo kostet der Titel wie gewohnt nur 9,95 €. Weitere Informationen gibt es auf der Detail-Seite bei Audible.


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