Autor: Markus Bennemann
Sprecher: Peter Lontzek
Länge: 15 Std. 49 Min. (ungekürzt)

Inhaltsbeschreibung von audible.de:
An der Küste Floridas verschwinden immer mehr Menschen. Die einzige Zeugin erzählt eine so verrückte Geschichte, dass sie niemand ernst nimmt – außer der jungen Polizistin Jessica Sanchez. Ein Tiefseemonster von überdimensionaler Größe soll an den Stränden im sonnigen Florida sein Unwesen treiben. Gemeinsam mit dem Meeresbiologen Steven Schuster macht Sanchez sich auf eine abenteuerliche Suche, die von der bunten Welt der Riffe bis in die Abgründe des illegalen Tierhandels führt. Doch erst in Südamerika, wo ein von der Zivilisation vergessener Stamm eine alte Naturgottheit anbetet, kommen sie ihrem Gegner wirklich auf die Spur…

Zum Hörbuch:
Professor Steven Schuster ist Meeresbiologe in Florida und hat sich bei seiner Arbeit auf den Fachbereich der Kopffüßer spezialisiert. In seinen Aquarien hält er diverse Arten von Kraken und Tintenfischen, die er in seinem Labor untersucht und sogar dressiert, was ihm erst kürzlich wieder eine staatliche Förderung eingebracht hat. Sein Dekan, der Leiter der Forschungseinrichtung, steht Schusters Studien jedoch sehr skeptisch gegenüber und hält seine Arbeit für nicht viel mehr als sinnlose Zirkusnummern, die jedoch keinen Nutzen für die Allgemeinheit haben. In seinen Augen betreibt der Meeresbiologe keine seriöse Wissenschaft und ist ohnehin eher an seinen weiblichen Studentinnen interessiert. Denn der gerade bei der Frauenwelt sehr beliebte Schuster lässt sich auch gerne mal auf Campuspartys sehen, was seinen Chef des öfteren zur Weißglut treibt.

Überraschend wird Steven dann jedoch von der örtlichen Polizei angefordert, welche in einem ungewöhnlichen Entführungsfall ermittelt. Die kleine Tochter wohlhabender Eltern wurde aus dem heimischen Garten verschleppt, als die Haushälterin kurz durch einen Anruf abgelenkt wurde. Das ausländische Kindermädchen berichtet entsetzt von einem großen Kraken, welcher dem Mädchen angeblich aufgelauert und es in einem günstigen Moment entführt hat. Schuster steht ihrer Aussage sehr skeptisch gegenüber, was er auch der ermittelnden Polizistin Jessica Sanchez mitteilt. Am Tatort finden sich jedoch Spuren, die tatsächlich von einem Kopffüßer stammen könnten. Schnell ist in Florida von einem Killer-Kraken die Rede, der Jagd auf Menschen macht. Auch Schuster gerät sehr schnell ins Visier der Medien, als ein aufdringlicher Reporter das Gerücht verbreitet, Steven wäre von der Existenz des Tiefsee-Monsters überzeugt. Als sich jedoch an den Küsten die Meldungen von seltsamen Vorkommnissen häufen und immer mehr Menschen plötzlich spurlos verschwinden, lässt sich der Professor auf die Geschichte ein und stellt mit Jessica Sanchez eigene Ermittlungen an…

„Phantom – Gefahr aus der Tiefe“ ist der erste Roman von Markus Bennemann, den man zuvor nur als Autor von Sachbüchern wie z.B. „Im Fadenkreuz des Schützenfischs. Die raffiniertesten Morde im Tierreich“ oder „Pfoten hoch!: Die cleversten Killer der Natur“ kannte. So merkt man seinem Debüt auch an, dass er sich im Tierreich recht gut auskennt. Trotz der auf Unterhaltung ausgelegten Story kommen auch wissenschaftliche Fakten und Hintergründe nicht zu kurz, vor allem was das Gebiet der Kopffüßer betrifft. Man muss aber nun keine Angst haben, von Fachbegriffen erschlagen zu werden, denn Bennemann vermittelt die Informationen auf sehr angenehme Art und Weise. Wichtige Aspekte werden in der Regel über unterhaltsame Dialoge an den Hörer gebracht, ohne dadurch aufdringlich oder langweilig zu wirken.

Die Handlung selbst kann sich auch durchaus sehen lassen, wenngleich sie leider nicht besonders originell ist. Wer schon einmal „Der weiße Hai“ gesehen hat weiß, wie der Roman funktioniert. Ein paar Angriffe auf Küstenbewohner, ein Professor, dem keiner so richtig glauben will, eine engagierte Polizistin, die vor der potenziellen Gefahr warnt – Bennemann verwendet die bekannten Zutaten, um daraus seine Geschichte zu konstruieren. Trotz der Genreklischees ist das aber durchweg unterhaltsam, was zu einem großen Teil an den sympathischen Charakteren liegt. Steven Schuster ist nämlich nicht gerade der Vorzeigeprofessor, sondern weiß das Leben auch durchaus zu genießen. Er ist Affären mit jungen Studentinnen nicht abgeneigt, reizt seine flexiblen Arbeitszeiten aus und seine Forschung bestand in den letzten Jahren größtenteil daraus, seinen Lieblingskraken Herb durch immer schwierigere Hindernisparcours zu jagen. Dem gegenüber steht die gewissenhafte Polizistin Jessica Sanchez, die in ihrer Vergangenheit bereits einiges erlebt hat und seit dem Aufeinandertreffen mit einem Serienmörder eine große Narbe im Gesicht hat. Sanchez nimmt die Zeugenaussagen von Anfang an ernst, geht der drohenden Gefahr sorgsam nach und muss sich dabei auch gegen skeptische Kollegen und ungläubige Behörden durchsetzen. In Nebenrollen überzeugen auch noch Steves Arbeitskollegin Margery sowie der anfangs nervtötende Journalist Finch, der im Laufe der Handlung aber noch eine überraschende Wandlung durchlebt.

Allerdings macht Markus Bennemann auch einen großen Fehler, welcher das wichtigste Element des Buches betrifft, nämlich das „Tiefseemonster“ selbst. So nennt er seinen Roman zwar „Phantom – Gefahr aus der Tiefe“ und lässt den Hörer damit über die Beschaffenheit der Kreatur zunächst im Ungewissen, nur um dann bereits im allerersten Satz (!!!) das Geheimnis zu lüften: „Der Krake ist der einzige Kopffüßer, der an Land geht.“ Damit macht Bennemann einen Großteil der Spannung direkt zunichte, denn es gibt zu keinem Zeitpunkt Zweifel, dass es sich bei dem Monster um etwas anderes als einen riesigen Kraken handelt. Zeugenaussagen, Spuren, wirklich alles deutet von Anfang an darauf hin – da hätte man das Buch auch direkt „Der Krake“ nennen können.

So geht der Geschichte auch nach der Hälfte ein wenig die Luft aus. Die Verlagerung der Handlung in den Dschungel Venezuelas sorgt zwar noch einmal für frischen Wind, trotzdem häufen sich anschließend die langatmigen Passagen. Auch das große Finale ist deutlich zu lang geraten und erinnert von dem Szenario her ein wenig an „King Kong“. Hier hätten ein paar Straffungen der Handlung wirklich gut getan. Zudem ist bei allen wissenschaftlichen Fakten die Kreatur selbst wenig glaubwürdig, so soll diese sich sogar angeblich in einen Coca-Cola-Spielzeug-LKW mitsamt Firmenschriftzug verwandeln können – HALLO??? Auch die immer wieder eingefügten Träume der Hauptfigur sowie die überflüssige Romanze stören ein wenig den Hörgenuss.

Zum Sprecher:
Gelesen wird das Hörbuch von Peter Lontzek, dessen Name mir vorher absolut gar nichts gesagt hat. Die bekannteste Synchronrolle des Sprechers ist vielleicht noch die des Kommissar Martinsson aus den „Wallander“-Krimis. Überraschenderweise überzeugt Lontzek jedoch ab der ersten Minute und liest wirklich sehr angenehm. Er verleiht jeder Figur eine eigene Persönlichkeit und schafft es auch, Emotionen gut zu transportieren.

Mein Fazit:
„Phantom – Gefahr aus der Tiefe“ ist ein gelungenes Romandebüt von Markus Bennemann, welches zwar auf bekannte Genreklischees setzt aber trotzdem eine interessante und unterhaltsame Geschichte bietet. Die Figuren überzeugen selbst bis in kleinste Nebenrollen und lassen auch über die ein oder andere langweiligere Passage hinwegsehen. Das mysteriöse „Phantom“ ist aber leider nur wenig geheimnisvoll und wirkt zudem auch nicht immer glaubwürdig. Wer aber gerne Filme wie „Der weiße Hai“ oder die (eher durchschnittlichen) „Anaconda“-Streifen guckt, dem könnte vielleicht auch dieses Hörbuch gefallen. Das Niveau eines Michael Crichton-Thrillers erreicht der Autor zwar nicht, doch nicht zuletzt dank des sehr guten Sprechers ist „Phantom – Gefahr aus der Tiefe“ für Fans von unterhaltsamen Wissenschafts-Romanen auf jeden Fall einen Blick wert.

Meine Wertung: 7/10

Informationen:
„Phantom – Gefahr aus der Tiefe“ von Markus Bennemann hat eine Spieldauer von 15 Std. und 49 Min. und ist ungekürzt für 20,95 € bei audible.de erhältlich. Im Flexi-Abo kostet der Titel wie gewohnt nur 9,95 €. Weitere Informationen gibt es auf der Detail-Seite bei Audible.