Autor: Roger Smith
Sprecher: Matthias Brandt
Länge: 10 Std. 15 Min. (ungekürzt)

Inhaltsbeschreibung von audible.de:
Ein dummer Zufall, ein brutales Verbrechen, ein korrupter Polizist und eine schonungslose Tour de force, die in immer tiefere Abgründe führt. „Kap der Finsternis“ ist ein atemloser literarischer Thriller, der ein ungeschöntes Panorama des heutigen Südafrika zeichnet – ein spektakuläres Debüt!
Jack Burn, gestrauchelter amerikanischer Glücksspieler, ist mit seiner hochschwangeren Frau und seinem Sohn in Kapstadt untergetaucht. Dort wird die Familie Opfer eines willkürlichen Gewaltverbrechens, verübt von Mitgliedern einer Gang. Benny Mongrel, gerade aus dem Gefängnis entlassen und als Wachmann tätig, schöpft Verdacht, als er beobachtet, wie die Gangster in Burns luxuriöses Haus einsteigen, Schüsse fallen und beide nicht wieder auftauchen. Burns Inkognito droht aufzufliegen, und es beginnt ein aufreibendes Katz-und-Maus-Spiel mit Gatsby, einem bigotten, rassistischen Polizisten, der seinerseits die staatliche Antikorruptionseinheit im Nacken hat. Ein atemloser Showdown führt mitten ins Gangland, in die Cape Flats, die riesigen, labyrinthischen Vorstadtslums…

Zum Hörbuch:
„Kap der Finsternis“ ist der Debütroman des südafrikanischen Autors Roger Smith und spielt folgerichtig in dessen Wahlheimat Kapstadt. Die komplexe Geschichte ist dabei aufgeteilt in mehrere Handlungsstränge. Hauptfigur ist wohl der Amerikaner Jack Burn, der zusammen mit seiner hochschwangeren Frau und seinem Sohn in Südafrika untergetaucht ist. In den USA hatte sich der Glücksspieler auf einen Banküberfall eingelassen, um mit dem ergaunerten Geld seine Spielschulden ausgleichen zu können. Die Aktion ging jedoch fürchterlich schief und endete mit einem toten Polizisten. Finanziell jedoch nun besser ausgestattet, versucht Burn sein Glück auf dem schwarzen Kontinent, fernab der Strafverfolgung in seiner Heimat.

Doch die scheinbar heile neue Welt ist mit einem Schlag zerstört: Als zwei Gangmitglieder in das Haus der Exil-Amerikaner einbrechen und die schwangere Frau bedrohen, zögert Jack keine Sekunde und richtet die Männer eiskalt hin. Damit seine Tarnung nicht auffliegt will er die Leichen verschwinden lassen und die Spuren des Verbrechens beseitigen. Er hat seine Rechnung jedoch nicht mit dem Wachmann Benny Mongrel gemacht. Dieser ist selbst gerade erst aus dem Gefängnis entlassen worden und hat beobachtet, wie die Gangster in das Luxushaus eingedrungen sind. Nachdem er die tödlichen Schüsse gehört hat und die Männer das Haus nicht wieder verlassen, wird Benny neugierig und stellt seine eigenen Nachforschungen an.

Der Wachmann ist jedoch nicht Burns einziges Problem. Denn als zwei farbige Kids die abgelegten Leichen entdecken, kommt auch der korrupte Polizist Rudi Barnard alias „Gatsby“ auf die Spur des Amerikaners. Dieser ist jedoch nicht an einer Aufklärung der Morde interessiert, sondern will aus dem offensichtlich wohlhabenden Jack Burn Profit schlagen und sammelt Beweise, um den Familienvater auszunehmen. Gatsby hat selbst jedoch auch die Dienstaufsicht im Nacken, denn seine Bestechungen und schlimmere Vergehen bleiben auch in höheren Polizeikreisen nicht unbemerkt.

Dies sind nur Auszüge der Haupthandlung, Roger Smith schuf jedoch noch weitere Nebenzweige, welche die Geschichte sehr glaubwürdig und vielschichtig machen. Durch verschiedene Perspektivwechsel wird man auf die unterschiedlichen Motive der Figuren aufmerksam und kann ihre Handlungen nachvollziehen. Dies geht zum Beispiel über die beruflichen Probleme des Wachmanns Benny Mongrel, selbst ein verurteilter Schwerverbrecher mit Gang-Vergangenheit, bis hin zu der Familie der Jungen, die über die erschossenen Einbrecher stolpern. Auch die Hinterbliebenen der Toten bleiben nicht unberücksichtigt, wodurch sich ein sehr komplexes und differenziertes Gesamtbild quer durch die gesellschaftlichen Schichten Kapstadts ergibt.

Smith kennt dabei keine Zurückhaltung und zeigt dem Hörer schonungslos die gesamte Grausamkeit der Stadt, voller Rassismus, Korruption und Menschenverachtung. Er schafft dabei ein Szenario, in dem die Gesellschaft noch deutlich von den Folgen der Apartheid geprägt ist und lässt kaum Raum für Hoffnung und Frieden. Die Schönheit des Landes Südafrika bleibt dabei fast völlig auf der Strecke. Die Verkörperung dieser Abgründe stellt dabei vor allem der Polizist Rudi Barnard dar. Dieser wird vom Autor so eindringlich beschrieben, dass man sich den fetten, stinkenden und überaus brutalen Cop bildlich vorstellen kann (Der Satz „Gatsby hat mehr Farbige umgebracht als AIDS“ sagt dabei eigentlich schon alles). Ohne jeglichen Skrupel setzt sich Gatsby über juristische und moralische Grenzen hinweg und ist nur an seinem eigenen Wohl interessiert. Dabei schreckt er vor keinem Mittel zurück und zögert auch keine Sekunde, als er einen kleinen Jungen hinrichtet und verbrennt, um diesen als Zeugen aus dem Weg zu schaffen. Die darauffolgende Szene, in der die Mutter des Kindes die verkohlte Leiche findet und identifiziert, ist nur eine von vielen schwer verdaulichen Momenten, bei denen man als Hörer in Schlucken kommt. So ist es bezeichnend, dass am Ende der Handlung fast keiner der Protagonisten unbescholten bleibt.

Zum Sprecher:
Eingelesen wurde das Hörbuch vom deutschen Schauspieler Matthias Brandt, der nebenbei bemerkt auch der jüngste Sohn des ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt ist. Bekannt sein dürfte er vor allem durch seine Rolle als Kommissar in der ARD-Reihe „Polizeiruf 110“. „Kap der Finsternis“ war für mich der erste Titel mit Brandt als Sprecher, es wird jedoch bestimmt nicht der letzte bleiben. Das Hörbuch wird wirklich toll gesprochen und Brandt liest die eindringliche Geschichte sehr gut und ohne unnötige Schnörkel. Seine Stimme transportiert gekonnt die Atmosphäre des Buches, mitsamt all seiner Hoffnungslosigkeit und Ernüchterung.

Mein Fazit:
„Kap der Finsternis“ ist ein großartiges Hörbuch mit einer sehr spannenden und nachwirkenden Story. Durch die vielen gut ausgearbeiteten Charaktere und die zahlreichen Perspektivwechsel wird die Geschichte sehr komplex, bleibt aber immer verständlich und gewinnt dadurch enorm an Glaubwürdigkeit, da das Handeln der Figuren und ihre Beweggründe gut nachvollzogen werden können. Smith zeichnet hier ein sehr blutiges, hartes und brutales Bild einer kaputten Gesellschaft. Das ist einerseits die große Stärke des Romans, aber auch vielleicht die einzige kleine Schwäche. Man kann kaum glauben, dass die Realität tatsächlich so düster aussieht und wünscht sich an manchen Stellen mehr Berücksichtigung für die schönen Seiten Südafrikas. Diese werden vom Autor jedoch völlig an die Seite geschoben. Laut Wikipedia möchte Smith mit seinen Werken „insbesondere auf die Kluft zwischen Reich und Arm in Südafrika hinweisen, sodass er dem Leser mittels seiner Literatur einen bewussten Zustand der Angst vermitteln möchte.“ Dies ist ihm ohne jeden Zweifel eindrucksvoll gelungen. Insgesamt lässt sich „Kap der Finsternis“ wohl am besten mit dem Wort „schonungslos“ beschreiben. Abgerundet wird das Hörbuch von einem tollen Sprecher Matthias Brandt, sodass ich hier eine klare Kaufempfehlung aussprechen kann. Der Hörer bekommt hier eine Art „L.A. Crash“ auf afrikanischem Boden geboten. Man sollte jedoch das Buch nicht unbedingt vor einem geplanten Südafrika-Urlaub lesen bzw. hören, denn nach der Lektüre ist einem die Reiselust wohl erst einmal gründlich vergangen…

Meine Wertung: 9/10

Informationen:
Das Hörbuch „Kap der Finsternis“ hat eine Länge von 10 Std. und 15 Min. und ist ungekürzt für 20,95 Euro bei audible.de erhältlich. Im Flexi-Abo kostet der Titel natürlich wieder nur die gewohnten 9,95 Euro. Weitere Infos gibt es auf der Detail-Seite bei audible.de


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