Spätestens seit Agatha Christies Klassiker „Und dann gabs keines mehr“ („And Then There Were None“) zählt es zu den beliebtesten und wohl auch am meisten genutzten Krimi- bzw. Thriller-Szenarien: eine Gruppe von Menschen verschlägt es – aus welchen Gründen auch immer – auf eine abgelegene Insel, wenig später taucht eine Leiche auf und dann dauert es nicht allzu lange, bis es auch dem Rest der Gruppe nach und nach an den Kragen geht.
Mal wieder fahren Menschen zum Sterben auf eine Insel
Genau in diese Kategorie fällt auch Martin Griffins Roman „Die Insel der Angst“, welcher das Grundprinzip der Geschichte bereits im Titel trägt. Diesmal ist es ein kleines Forschungsteam, das es auf die angeblich seit Jahrzehnten verlassene Atlantik-Insel Navigaceo verschlägt. In dem streng abgeschotteten Naturschutzgebiet soll die Expedition die dortige Robbenpopulation erforschen und dokumentieren. Diese Hintergrundstory ist aber kaum der Rede wert, denn selbst der Autor gibt sich keine große Mühe, dieses Setting auszuschmücken – Hauptsache er hat irgendeinen Vorwand, um seine unglückseligen Charaktere auf ein einsames Eiland zu locken.
Auf der Insel nichts Neues
Wenig überraschend dauert es dann auch nicht lange, bis die erste Leiche auftaucht, und spätestens dann nimmt das übliche Prozedere seinen zu erwartenden Lauf. Leider zeigt sich Griffin auch hier nicht besonders kreativ, sondern spult uninspiriert das zur Genüge bekannte Programm ab. Zwar hat sich der Autor noch eine Vorgeschichte um seine Hauptfigur – die Dokumentarfilmerin Tess – aus den Fingern gesaugt, diese kann aber auch vernachlässigt werden und macht die austauschbare Protagonistin auch nicht wirklich interessanter. Auch der Rest der Truppe bleibt farblos und so spielt es eigentlich auch keine große Rolle, in welcher Reihenfolge die Charaktere hier ins Gras beißen.
Ein in jeder Hinsicht austauschbarer 08/15-Inselthriller
Man erwartet bei einem Vertreter der unzähligen Insel-Thriller ja inzwischen kein großes Ideen-Feuerwerk mehr, aber es ist dennoch erstaunlich, wie unambitioniert diese Geschichte erzählt wird. Weder die Figuren noch die Hintergrundstory sind interessant und auch der verheißungsvolle Schauplatz wird lediglich aufs Nötigste reduziert. Wer sich hier angesichts des Klappentextes womöglich sogar einen Wissenschafts-Thriller erhofft hat, ist komplett auf der falschen Fährte und auch sonst richtet sich „Die Insel der Angst“ wohl nur an Leser:innen, die von dieser Art Spannungsroman nun aber wirklich nicht genug bekommen können. Eine Katastrophe ist Griffins Werk zwar keineswegs, kommt aber über den Status eines völlig beliebigen 08/15-Thrillers leider in keinerlei Hinsicht hinaus.


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5/10