Einmal im Jahr ist es so weit: US-Bestsellerautorin Linda Castillo macht sich an die Arbeit an einem neuen Thriller und in der Amish-Gemeinde im fiktiven Ort Painters Mill im Bundesstaat Ohio beginnt das große Zittern, denn bisher war die konservative und weitestgehend unabhängig von der modernisierten Welt lebende Glaubensgemeinschaft noch in jedem Band von Castillos Kate-Burkholder-Reihe Opfer eines oder mehrerer Verbrechen – und das ist auch im sechsten Teil „Mörderische Angst“ nicht grundlegend anders. Auch diesmal bildet die Tragödie einer amischen Familie wieder das Grundgerüst der Handlung, allerdings liegt diese zu Beginn der Geschichte bereits mehr als drei Jahrzehnte zurück: 1979 wird die Familie Hochstetler auf der eigenen Farm von Fremden überfallen, der außer Kontrolle geratene Raub kostet schließlich den Vater der Familie und vier Kinder das Leben. Lediglich der 14-jährige Sohn der Hochstetlers überlebt die Bluttat, die Suche nach den Tätern bleibt erfolglos.

Späte Rache für ein lange zurückliegendes Verbrechen?

So weit alles wie immer, allerdings dreht Linda Castillo im sechsten Band den Spieß ein wenig um, denn im Folgenden findet sich der englische Teil der Bevölkerung von Painters Mill plötzlich in der Opferrolle wieder, als innerhalb von kürzester Zeit mehrere Menschen gewaltsam ums Leben kommen – und die Spur der Morde scheint bis zurück zur schicksalhaften Nacht zu führen, in welcher der Großteil der Familie Hochstetler ihren Tod fand. Kennern der Kate-Burkholder-Reihe wird zudem ein weiterer kleiner Unterschied im Vergleich zu den vorherigen Bänden auffallen, denn „Mörderische Angst“ kommt in der ersten Hälfte mit einem durchaus etwas überraschenden Mystery-Einschlag daher, welcher der Geschichte einen nicht uninteressanten Reiz verpasst, ohne dabei jedoch ins Absurde abzudriften. Diese beiden neuen Impulse tun der Reihe spürbar gut und bringen ein wenig frischen Wind mit, wenn Linda Castillo schon ein weiteres Mal an ihrem Amish-Setting festhalten muss – was man allerdings aber auch nachvollziehen kann, schließlich ist dies inzwischen ganz klar zu ihrem Markenzeichen geworden.

Und täglich grüßt das Murmeltier…

Abgesehen davon bewegt sich die Autorin aber auf bekannten Wegen und bietet einerseits relativ wenig Originalität, erzählt zum anderen dank ihrer Routine aber einen weiteren spannenden Fall für Polizeichefin Kate Burkholder, die natürlich wieder nicht nur in Painters Mill für Recht und Ordnung sorgt, sondern auch privat wieder die ein oder andere Baustelle zu bewältigen hat. Die größte davon betrifft (wenig überraschend) ihren Lebensgefährten, FBI-Agent John Tomasetti, der sich damit abfinden muss, dass einer der Mörder seiner Familie nach viel zu kurzer abgesessener Strafe wieder auf freien Fuß kommt – was nicht nur Kates und Johns Beziehung auf eine weitere Probe stellt, sondern Tomasetti auch in ernsthafte Schwierigkeiten bringen könnte. Allerdings widmet Linda Castillo dieser Nebenhandlung diesmal eher wenig Aufmerksamkeit und konzentriert sich vielmehr auf den tatsächlichen Kriminalfall – eine Gewichtung, die durchaus sinnvoll erscheint. Es ist jedoch etwas schade, dass die Autorin den im Vorgänger „Teuflisches Spiel“ angefangenen Plot um ein dunkles Geheimnis in Kates eigener Vergangenheit völlig ignoriert und nicht fortsetzt, zumal diese Geschichte vielleicht sogar mehr Spannungspotenzial mitbringen könnte als die eigentliche Mordserie.

Spannung nach dem bewährten Erfolgsrezept

Mit der Kate-Burkholder-Reihe ist es letztlich so eine Sache: so mancher dürfte nach dem zweiten oder dritten Band das Interesse an den Amish-bezogenen Verbrechensfällen verloren haben, da die Geschichten streng genommen immer nach dem gleichen Schema ablaufen und der gesellschaftliche Hintergrund der Fälle immer der gleiche ist – frei nach dem Motto „kennt man eines, kennt man alle“. Man muss Linda Castillo aber auch zugute halten, dass die Amerikanerin ihr Handwerk einfach versteht und jeder Fall für sich genommen spannend erzählt ist, auch wenn sich für Kenner der Reihe schon lange eine gewisse Vorhersehbarkeit eingestellt hat. Das gilt auch wieder für „Mörderische Angst“, zumal man hier durch den Aufbau der Geschichte recht früh auf die Spur des Täters kommen kann, auch wenn Castillo zum Schluss nochmal eine kleine Überraschung auf Lager hat. Es ist daher fraglich, ob die Welt wirklich immer noch einen und noch einen Amish-Thriller braucht. Wem die pflichtbewusste und durch viele Ecken und Kanten sehr menschlich wirkende Kate Burkholder als Protagonistin – nicht zuletzt auch aufgrund der wieder einmal hervorragenden Lesung von Tanja Geke – aber ans Herz gewachsen ist, der wird sich auch in Zukunft über neue Fälle für die Kleinstadt-Polizeichefin freuen – und auch ich fiebere schon dem nächsten Band „Grausame Nacht“ entgegen.

Mörderische Angst (Kate Burkholder #6)
  • Autor:
  • Sprecher: Tanja Geke
  • Original Titel: The Dead Will Tell
  • Reihe: Kate Burkholder #6
  • Länge: 9 Std. 56 Min. (ungekürzt)
  • Verlag: Argon Verlag
  • Erscheinungsdatum: 23. Juli 2016
  • Preis 20,95 € (9,95 € im Audible-Flexi-Abo)
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
7/10
Fazit:
Auch im sechsten Kate-Burkholder-Thriller „Mörderische Angst“ bleibt Linda Castillo ihrem bewährten Erfolgsrezept treu und bietet die übliche Ermittlungsarbeit im Amish-Milieu – das ist inzwischen zwar nicht mehr wirklich originell, der Fall ist aber gewohnt spannend erzählt und kommt mit dem ein oder anderen frischen Impuls daher und auch die Protagonistin überzeugt ein weiteres Mal als starke Ermittlerfigur und Trägerin der Handlung.

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