Feed_Rezi

Wir schreiben das Jahr 2040: Der Menschheit ist es zwar längst gelungen, sowohl ein Allheilmittel für Erkältungsviren zu finden als auch den Krebs zu besiegen, dummerweise hat eine unfreiwillige Vermischung der zur Therapie eingesetzten Viren jedoch dafür gesorgt, dass „aus Versehen“ ein Großteil der Menschheit ausgerottet wurde. Bei der Kombination der beiden Viren ist nämlich das extrem gefährliche Kellis-Amberlee-Virus entstanden, welches die Toten auferstehen und zu gefräßigen Zombies mutieren lässt – eine Bedrohung, die in knapp zwei Jahrzehnten Milliarden von Menschenleben gekostet hat. Inzwischen wissen die Menschen jedoch mit der tödlichen Gefahr umzugehen und haben es mit strengsten Sicherheitsvorkehrungen und einer starken Einschränkung der persönlichen Freiheit geschafft, die Zombie-Invasion zwar nicht zu besiegen, aber zumindest einzudämmen.

Der Traum des Bloggers der Zukunft: eine Zombie-Invasion

Während das Kellis-Amberlee-Virus die Menschheit über viele Jahre hinweg ins Verderben gestürzt hat, darf sich eine kleine Gruppe von Menschen jedoch insgeheim ein wenig als Gewinner der Epidemie fühlen: die Blogger. Denn weil die vermeintlich seriösen Medien den Ausbruch des Virus anfangs auf die leichte Schulter nahmen und nur unzureichend über die Gefährdung für die Bevölkerung berichteten, hat diese letztlich das Vertrauen in die alteingesessenen Nachrichtenredaktionen verloren und sich den unabhängigen Blogs zugewendet, die vom ersten Tag an authentisch über die Zombie-Invasion berichtet haben. Und so sind in Mira Grants Dystopie „Feed: Viruszone“ die Blogger die Stars, von denen zwei folgerichtig auch die Hauptfiguren der Geschichte darstellen: das draufgängerische Geschwisterpaar Georgia und Shaun Mason, die mit der ständigen Bedrohung durch die Untoten aufgewachsen sind und sich mit ihren Reportagen aus jedem noch so heiklen Krisengebiet einen beachtlichen Ruf erarbeitet haben – so beachtlich, dass die Masons vom republikanischen Senator und Präsidentschaftskandidaten Peter Ryman auserwählt wurden, dessen Wahlkampf sozusagen als Hofberichterstatter zu begleiten.

Kein Zombie-Slasher, sondern ein realistischer Verschwörungs-Thriller

Diese politische Verstrickung dürfte bereits andeuten, dass man es bei „Feed: Viruszone“, dem Auftaktband zur „Newsflesh“-Trilogie (ja, die Schreibweise ist so beabsichtigt), mit keiner typischen Zombie-Geschichte zu tun hat, denn die klassischen Splatter-Einlagen mit blutrünstigem Gemetzel sucht man hier über weite Strecken vergebens, auch wenn „Feed“ ebenfalls zwischendurch die ein oder andere dramatische Actionszene zu bieten hat. Mira Grant hat sich vielmehr für eine sehr realistische (so weit eine Zombie-Apokalypse jedenfalls realistisch sein kann…) Herangehensweise an die Thematik entschieden und hebt sich damit für meinen Geschmack sehr angenehm vom üblichen Genre-Einheitsbrei ab. Grants dystopisches Szenario ist von der ersten Minute an absolut glaubwürdig und bis ins kleinste Detail durchdacht – das reicht von den unzähligen Sicherheitsvorkehrungen wie täglichen Bluttests oder streng bewachten Sicherheitszonen bis zur Darstellung der Blogger-Szene, welche sich zwar in einem knallharten Konkurrenzkampf um Quoten und Klicks befindet, aber zugleich auch eine verschworene Gemeinschaft mit einem ausgeprägten Pflichtbewusstsein ist. Die Autorin nimmt sich dabei viel Zeit, diese komplexe Welt ihren Lesern näherzubringen, verfällt dabei aber nie in ausschweifende oder gar langatmige Vorträge – ganz im Gegenteil: immer wieder lockern amüsante Details und Anekdoten die Geschichte auf, so z.B. die Verehrung von Kult-Horror-Regisseur George A. Romero als Nationalhelden, weil dessen Zombie-Filme sich während des Ernstfalls als äußerst lehrreiches Anschauungsmaterial herausgestellt haben oder das neue Erfolgsmodell von Spielzeughersteller Mattel im Jahr 2040: Die Urban-Survival-Barbie.

Glaubwürdige Untoten-Dystopie und spannender Trilogie-Auftakt

Wer also von einem Zombie-Roman in erster Linie explodierende Untoten-Köpfe und umherfliegende Körperteile am Fließband erwartet, der sollte vielleicht lieber einen Bogen um „Feed“ machen, denn ein solcher Action-Reißer ist der „Newsflesh“-Auftakt garantiert nicht und will es auch gar nicht sein. Zudem bietet Grants Werk auch (noch) nicht den ganz großen Nervenkitzel, hat aber dennoch eine spannende und alles andere als langweilige Verschwörungsstory zu bieten, die jedoch erst in der zweiten Hälfte des Buches Fahrt aufnimmt. Wem das nichts ausmacht und wer bei postapokalyptischen Romanen wie diesem viel Wert auf ein glaubwürdiges und durchdachtes Setting legt, sollte sich diese Trilogie auf jeden Fall einmal näher anschauen, da „Feed“ mit der verantwortungsbewussten Georgia Mason, ihrem manchmal etwas arg risikofreudigen Bruder Shaun und ihrer langjährigen Vertrauen und oft etwas träumerischen Blogger-Kollegin Georgette „Buffy“ Meissonier zudem über interessante und sympathische Charaktere verfügt, die man gerne bei ihrer gefährlichen Arbeit begleitet. Ein weiteres Pro-Argument hat die Hörbuchfassung zu bieten, denn hier gewinnt Tanja Geke mit ihrer atmosphärischen Lesung zusätzliche Pluspunkte, sodass dieser Auftaktband zu einer insgesamt sehr runden Angelegenheit wird und ganz klar Lust auf die beiden Folgeromane „Deadline“ und Blackout“ macht.

Feed: Viruszone (Newsflesh #1)
  • Autor:
  • Sprecher: Tanja Geke
  • Original Titel: Feed
  • Reihe: Newsflesh #1
  • Länge: 17 Std. 1 Min. (ungekürzt)
  • Verlag: Audible GmbH
  • Erscheinungsdatum: 4. Januar 2012
  • Preis 29,95 € (9,95 € im Audible-Flexi-Abo)
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
8/10
Fazit:
Mira Grants Trilogie-Auftakt „Feed: Viruszone“ ist kein typischer Zombie-Slasher, sondern setzt mit dem journalistischen Ansatz, der politischen Verschwörung und dem sehr durchdachten und äußerst glaubwürdigen Setting auf eine möglichst realistische Herangehensweise an die Untoten-Thematik – ein Plan, der dank viel Liebe zum Detail, einer spannenden Geschichte und interessanten und sympathischen Charakteren trotz des oft eher gemächlichen Erzähltempos sehr gut funktioniert.

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