Kategorie: Allgemein

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Mit „Passagier 23“ von Sebastian Fitzek und „Day Four“ von Sarah Lotz sind in den vergangenen Monaten zwei Thriller erschienen, deren Handlung auf einem Kreuzfahrtschiff spielt. Für einen Spannungsroman ein nahezu ideales Setting: Der Raum ist begrenzt, es gibt im Fall einer Krise kein schnelles Entkommen und mitten auf dem Meer ist man auch von einer möglichen Hilfe seitens des Festlands im Notfall erst einmal abgeschnitten. Da die beiden Bücher vom Szenario her sehr ähnlich angelegt sind, liegt es nahe, „Passagier 23“ und „Day Four“ einmal einem kleinen Vergleich zu unterziehen, deshalb treten die beiden an dieser Stelle nun im ultimativen (und nicht ganz ernst gemeinten) Kreuzfahrt-Check gegeneinander an!

Ein wichtiger Aspekt bei einer Kreuzfahrt ist natürlich das Schiff selbst. Selbstverständlich möchte man bei seinem mehrtätigen Aufenthalt auf hoher See nicht auf einen gewissen Komfort verzichten, zudem erwartet man, dass das alles andere als günstige Beförderungsmittel technisch voll den Sicherheitsstandards entspricht. Wie schneiden also die „Sultan of the Seas“ und „The Beautiful Dreamer“ in dieser Hinsicht ab?

SCHIFF
Passagier 23 Day Four
Mit der „Sultan of the Seas“ betreten Sie eines der Vorzeigeschiffe der deutschen Schifffahrtsbranche, das Ihnen einen wahren Luxus-Aufenthalt an Bord verspricht. Die rund 3.000 Passagiere fassende „Sultan“ entspricht nicht nur technisch dem neuesten Stand, sondern kann auch auf eine zwar junge, aber dennoch glorreiche Historie voller paradiesischer Kreuzfahrten und hochzufriedener Reisender zurückschauen. Um das einige Jahre zurückliegende rätselhafte Verschwinden einer jungen Mutter und ihres Sohnes hüllen wir an dieser Stelle lieber einen Mantel des Schweigens – ein bisschen Schwund ist schließlich immer und für tragische Familienschicksale und selbstmordgefährdete Mütter kann die Reederei nun wirklich nicht verantwortet gemacht werden… Zugegeben: Das inzwischen etwas in die Jahre gekommene Schiff „The Beautiful Dreamer“ hat seine besten Zeiten zwar vielleicht schon hinter sich, trotzdem garantiert auch dieser ehemalige Luxusliner nach wie vor Abenteuer pur – wenn schon nicht wegen der Zwischenstopps an überfüllten und dem Kommerz zum Opfer gefallenen mexikanischen Stränden, dann eben wegen der unberechenbaren Technik, die möglicherweise nicht mehr auf dem allerneusten Stand ist und deren letzte Wartung auch schon eine Weile her ist. Dafür schippert die „Beautiful Dreamer“ jedoch im Vergleich zu anderen Kreuzfahrtschiffen aber eben auch in einer etwas günstigeren Preisklasse…
Punkt für „Passagier 23“ – Gesamtstand: 1:0 für „Passagier 23“

 

Wenn man sich das ganze Jahr über abgeschuftet hat, erwartet man in seinem wohlverdienten Urlaub natürlich auch einen gewissen Komfort: Sauberkeit sollte dabei mit an oberster Stelle stehen. Doch auch die verschiedenen Erholungsbereiche des Schiffes sollten so gestaltet sein, dass man sich beim Sonnenbad an Deck oder dem Gala-Dinner im Restaurant jederzeit hundertprozentig wohlfühlt…

AMBIENTE
Passagier 23 Day Four
Wie eingangs erwähnt: Theoretisch bringt die „Sultan of the Seas“ alles mit sich, um ihnen ein Kreuzfahrt-Ambiente wie aus dem Katalog zu bieten – sie werden es nur kaum merken. Ein Großteil ihres Aufenthalts wird sich nämlich im Inneren des Schiffes abspielen, wo Sie von dem Geschehen an Deck leider nichts mitbekommen werden. Während Sie sich durch enge und dunkle Gänge, laute Maschinenräume und kleine Kabinen kämpfen, genießen alle anderen die pralle Sonne und den Blick auf das offene Meer. Action oder Erholung – man kann halt nicht alles haben… Über zu wenig Kreuzfahrt-Atmosphäre können Sie sich bei ihrem Aufenthalt auf der „Beautiful Dreamer“ jedenfalls nicht beschweren, es besteht hier viel eher die Gefahr, dass ihnen das Herumlungern an Deck schnell zum Hals herauskommt, weil ihnen ein längerer Stromausfall an Bord die Reise gründlich verhageln könnte – das kommt eben davon, wenn man bei der Buchung spart und sich einen älteren Kreuzer für den Jahresurlaub herauspickt. Beschweren Sie sich also nicht, wenn Sie auf elektronische Unterhaltungsmittel schon nach wenigen Tagen verzichten und sich stattdessen zum Zeitvertreib mit ihren Mitreisenden beschäftigen müssen.
Punkt für „Day Four“ – Gesamtstand: 1:1

 

Manchen reicht es völlig aus, den ganzen Tag über an Deck in der Sonne zu liegen und einfach mal nichts zu tun. Damit man aber an Bord nach einigen Tagen keinen Lagerkoller bekommt, wäre dennoch ein abwechslungsreiches Unterhaltungsangebot wünschenswert. Was haben die „Sultan of the Seas“ und „The Beautiful Dreamer“ hier zu bieten?

UNTERHALTUNGSPROGRAMM
Passagier 23 Day Four
Sie bekommen vielleicht nicht viel vom Schiff und ihren Reisezielen mit, langweilig wird es aber trotzdem nicht, dafür trägt ihr erfahrener Reiseleiter Sebastian Fitzek schon Sorge. Möglicherweise sind Vergewaltigung, Missbrauch, Entführung, Erpressung, Mord, Diebstahl und andere „Unannehmlichkeiten“ nicht unbedingt das Unterhaltungsprogramm, was sie sich von ihrer „Luxus“-Kreuzfahrt erhofft haben, aber immerhin besteht so nicht die Gefahr eines Lagerkollers. Vermutlich sehnen Sie sich schnell einen Ruhetag herbei, weil ihnen das alles ein wenig zu viel wird und Sie den Sinn ihrer Aktivitäten nicht unbedingt erkennen können, aber unsere Fachkraft ist nun einmal manchmal etwas überambitioniert und immer für eine Überraschung gut – ob Sie nun wollen oder nicht. Wir würden Ihnen gerne ein vielfältiges Animationsprogramm anbieten und ihnen ein wenig Abwechslung zum ausgiebigen Sonnenbad an Deck ermöglichen – wir können es nur leider nicht. Was bleibt schon groß übrig, wenn die gesamte Technik ausfällt und das Schiff tagelang ohne Kontakt zur Außenwelt im Meer treibt… Dafür haben wir für Sie aber ein prominentes Medium organisiert, dass Ihnen die Zukunft voraussagt und ihnen für einen kleinen (oder auch etwas größerem) Obolus alles erzählt, was Sie gerne hören möchten. Für die etwas Hartgesotteneren von Ihnen hätten wir auch noch einen kleinen Mordfall und ein paar mysteriöse Geistererscheinungen auf Lager, zu viel Nervenkitzel sollten Sie sich aber auch davon besser nicht erwarten – mit den lausigen Einnahmen ist halt nicht viel drin, die großen Unterhaltungs-Stars arbeiten lieber für die Konkurrenz.
Punkt für „Passagier 23“ – Gesamtstand: 2:1 für „Passagier 23“

 

Damit man sich während einer Kreuzfahrt auch voll auf Erholung und Spaß konzentrieren kann, bedarf es eines Servicepersonals, das einem möglichst jeden Wunsch von den Lippen abliest, ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich macht – und auch in einer nicht auszuschließenden Krisensituation die Ruhe behält…

PERSONAL/SERVICE
Passagier 23 Day Four
So wie Sie an Board der „Sultan“ wenig Kreuzfahrt-Feeling abbekommen, so lässt sich auch das Personal kaum blicken. Sie dürfen zwar mal kurz beim (wenig sympathischen) Kapitän vorbeischauen, ansonsten sorgen aber eher ihre Mitreisenden für ihren Zeitvertreib. Im Angebot hätten wir da einen traumatisierten Polizeipsychologen, der sich für nichts zu schade ist und alles niedermäht, was sich zwischen ihn und seine Familie stellt, diverse Frauen mit bedenklichem Geisteszustand und eine ältere Dame, die nur auf den ersten Blick harmlos und vertrauenswürdig erscheint – Freunde finden Sie auf dieser Kreuzfahrt sicherlich nicht, aber seien Sie doch einfach froh, wenn Sie mit dem Leben davonkommen 😉 Sie mögen sich vielleicht über die schlechte Informationspolitik an Bord ärgern und einen Hass auf die Schiffsleitung entwickeln, die Ihnen einfach nicht sagen will wie und wann es mit der Reise nach dem unfreiwilligen mehrtägigen Zwischenstopp weitergeht, oder auch auf den selbstverliebten Schiffsdirektor Damien, der Sie mehrmals täglich mit schmalzigen und inhaltsleeren Durchsagen über das Bord-TV bei Laune zu halten versucht, dafür können Sie sich aber auf das niedere Schiffspersonal absolut verlassen. Unsere schlecht bezahlten Zimmermädchen versuchen Ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten – sofern dies unter den immer schlimmer werdenden hygienischen Bedingungen an Bord überhaupt noch möglich ist. Falls ihnen verstopfte Toiletten und verdorbenes Essen (tja, ohne Strom eben auch keine Kühlmöglichkeiten…) dann doch einmal auf den Magen schlagen sollten: unsere (natürlich ebenfalls unterbezahlte und hoffnungslos überarbeitete) medizinische Abteilung hat bestimmt ein entsprechendes Mittel parat – falls Sie denn einen Arzt ausfindig machen sollten…
Punkt für „Day Four“ – Gesamtstand: 2:2

 

Fazit:

Wenn Sie auf der Suche nach einer erholsamen Kreuzfahrt sind und es sich auf hoher See einmal so richtig gut gehen lassen möchten, sollten Sie sowohl um die „Sultan of the Seas“ als auch um die „Beautiful Dreamer“ besser einen großen Bogen machen. Während auf der „Sultan“ zumindest die Grundversorgung reibungslos funktioniert, sorgen hier aber sowohl das fehlende Kreuzfahrt-Feeling als auch das abenteuerliche und mit der Zeit nur noch nervige Unterhaltungsprogramm für schlechte Stimmung. Was letzteres betrifft, sind Sie auf der „Beautiful Dreamer“ zwar besser aufgehoben (Ruhe haben Sie dort nämlich mehr als Ihnen lieb ist), allerdings drohen Ihnen dort gähnende Langeweile und gesundheitliche Aussetzer. Ihre Sicherheit kann zudem auf keinem der beiden Schiffe gewährleistet werden 😉


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