Münchhausen_Rezi

Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen hat es mit einem eher zweifelhaften Wirken zu Weltruhm gebracht: Der Adlige aus dem 18. Jahrhundert gilt nämlich bis heute als „Lügenbaron“, da er zu Lebzeiten gerne die ein oder andere Anekdote aus seinem Leben erzählt hat, deren Wahrheitsgehalt mit schöner Regelmäßigkeit gegen Null tendierte – auch wenn der Freiherr selbst nicht müde wurde, stets das Gegenteil zu behaupten. Man ließ sich von den an den Haaren herbeigezogenen Geschichten damals jedoch gerne unterhalten und dem Schriftsteller Gottfried August Bürger sagten diese fantasiereichen Abenteuer sogar derart zu, dass er diese in einem Erzählband sammelte und zusätzlich mit eigenen Geschichten anreicherte.

Der gesammelte Nonsens des Freiherrn von Münchhausen

Wenn man diese Anekdoten nun aber einmal mit mehr als 200 Jahren Abstand betrachtet, muss man sich schon ein wenig fragen, wie groß damals die Langeweile der Leute gewesen sein muss, um sich mit derartigen Hirngespinsten freiwillig die Zeit zu vertreiben. Für mich war jedenfalls nach wenigen Minuten des Hörbuchs bereits klar, dass ich auch mit diesem Klassiker keinen Glücksgriff gelandet hatte. Das liegt zum einen schon am Erzählstil des Werkes: Bürger lässt seinen Lügenbaron wie am Stammtisch ein Märchen nach dem anderen herunterrasseln, ohne jeden Zusammenhang und ohne ein Grundgerüst, das die Anekdoten miteinander verbindet. Die ersten zwei, drei Geschichten mag man so vielleicht noch ganz unterhaltsam finden, spätestens danach wird es aber einfach nur nervig.

Absurd, schwachsinnig, langweilig, belanglos

Die Lügengeschichten sind nämlich derart absurd, dass während des Erzählens überhaupt keine Spannung aufkommt, denn egal wie aussichtslos die Situation für den Freiherrn erscheinen mag – mit der nächsten abenteuerlichen und an den Haaren herbeigezogenen Wendung zieht sich der adlige Märchenonkel ohnehin wieder aus dem Schlamassel. Noch dazu sind die Anekdoten inhaltlich völlig schwachsinnig, z.B. wenn Münchhausen eine Axt auf den Mond wirft oder seinen Diener für eine Flasche Wein innerhalb einer Stunde zu Fuß durch halb Europa und wieder zurück laufen lässt. Das alles ist weder originell, noch amüsant, noch witzig, noch unterhaltsam, noch spannend, noch überraschend, sondern für meinen Geschmack einfach nur bescheuert. Ich konnte mit dieser Textesammlung wirklich nichts, aber auch überhaupt gar nichts anfangen, denn „Freiherr von Münchhausen“ ist von Anfang bis Ende so unglaublich belanglos, dass es beim Hören fast körperlich wehtut und man sich permanent fragt, wie diese Geschichten so viele Jahre überdauert haben und heute als Klassiker gelten können – es muss damals wirklich ein dramatischer Notstand an Literatur geherrscht haben…

Passable Lesung der einzige Pluspunkt

Wenn man bei dem Hörbuch noch unbedingt etwas Positives vermerken möchte, dann muss man hier wohl schon die Lesung von Michael Pan (übrigens der Vater von David Nathan) heranziehen. Dieser liest immerhin recht engagiert und verkörpert den Lügenbaron auch durchaus glaubwürdig, allerdings geht einem auch hier das quengelnde Geprahle schon nach kurzer Zeit auf die Nerven. Somit kann ich „Freiherr von Münchhausen“ nicht mal bei schlimmster Langeweile empfehlen, denn mit diesem Hörbuch wird die Situation dann wohl nur noch schlimmer. Ich fand es wirklich ganz furchtbar und kann mich kaum daran erinnern, dass mich ein Hörbuch schon mal derart penetrant angeödet hat. Finger weg!

Freiherr von Münchhausen
  • Autor:
  • Sprecher: Michael Pan
  • Länge: 3 Std. 54 Min. (ungekürzt)
  • Verlag: Audible GmbH
  • Erscheinungsdatum: 22. Januar 2009 (erstmals 1785)
  • Preis 4,95 €
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
3/10
Fazit:
Unglaublich öde Sammlung hanebüchener Geschichten, die an Belanglosigkeit kaum zu überbieten sind und nicht mal im Ansatz unterhalten können.

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