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Nach einer Familientragödie leben zwei Schwestern gemeinsam mit ihrem Onkel in einem alten Herrenhaus in ihrer eigenen kleinen Welt – bis diese langsam einzustürzen droht…

Mary Katherine Blackwood ist 18 Jahre alt und genau wie ihre ältere Schwester Constance seit Jahren ein Waisenkind. Damals ist fast ihre gesamte Familie unter rätselhaften Umständen ums Leben gekommen und ihr Onkel Julian ist der einzige, der das Drama mit den beiden Schwestern überlebt hat. Dieser ist allerdings körperlich und geistig nicht mehr ganz auf der Höhe, sodass Julian auf die Pflege der Mädchen angewiesen ist. Constance und Mary haben sich aber mit ihrer Situation arrangiert und meistern ihren Alltag aufgrund von einer fast perfekten Organisation nahezu mühelos.

Ein Leben am Rande der Gesellschaft

Das ist auch gut so, denn auf Unterstützung von außerhalb ihrer Familie können die Blackwoods auch nicht zählen, denn seit der Tragödie werden Mary und Constance vom Rest der Stadt geächtet. Constance traut sich deswegen schon gar nicht mehr aus dem Haus und Mary verlässt das Familienanwesen nur für die nötigsten Besorgungen, die unter den misstrauischen und hasserfüllten Blicken der Dorfbewohner aber jedes Mal zu einem Spießrutenlauf werden. Nach all den Jahren haben sich die jungen Frauen aber an diese Ablehnung gewöhnt und sich in den sicheren Schutz ihres Hauses zurückgezogen, wo sie fernab der Gesellschaft ihr eigenes Leben führen. Für Mary häufen sich aber plötzlich die Anzeichen, dass ihr abgeschottetes und geregeltes Leben langsam droht, immer mehr aus dem Ruder zu laufen…

Zwei psychisch instabile junge Frauen als Hauptfiguren

Merkwürdig. Dieses Wort beschreibt den Eindruck, den Shirley Jacksons „Wir haben schon immer im Schloss gelebt“ bei mir hinterlassen hat, wohl am besten. Das betrifft zum einen die Charaktere, denn bei jedem Mitglied der verbliebenen Blackwood-Familie beschleicht einem beim Lesen das Gefühl, dass alle drei nicht mehr alle ihre Sinne beisammen haben. Dass der pflegebedürftige Onkel Julian geistig nicht mehr ganz zurechnungsfähig ist, ist dabei relativ offensichtlich und wird in der Geschichte auch von Anfang an offen kommuniziert. Auch bei Constance merkt man aufgrund der Tatsache, dass sie seit Jahren nicht den sicheren Schutz ihres Hauses verlassen hat, dass sie unter ernsthaften psychischen Problemen leidet. Je mehr man sich aber in das Buch hineinliest und das Zusammenspiel der beiden Schwestern beobachten kann, desto mehr zweifelt man auch am Geisteszustand von Mary Katherine, die hier als Ich-Erzählerin auftritt. Bei beiden hat die Familientragödie offenbar schwere Spuren hinterlassen, sodass sich Constance und Mary in ihre eigene kleine Welt zurückgezogen haben, wo der Tagesablauf streng geregelt ist und die beiden nicht mit unangenehmen Veränderungen konfrontiert werden. Fast schon zwangsläufig wirken die Schwestern dadurch aber sehr weltfremd und erwecken zugleich nicht den Eindruck zweier erwachsener Frauen im Alter von 18 und knapp 30 Jahren, sondern mehr wie zwei naive Mädchen im Teenageralter. Zudem wirken dadurch auch Marys Schilderungen nicht immer sonderlich verlässlich, was das Lesen ebenfalls nicht unbedingt erleichtert.

Spannungsarme Story und bizarre Atmosphäre

Ebenso seltsam wie die Hauptfiguren fällt auch die Story aus, die trotz der gerade mal 221 Seiten alles andere als straff erzählt ist. Schon die ersten zwanzig Prozent der Handlung werden auf eine von Marys Besorgungen im Dorf verwendet, womit man zwar einen guten Eindruck über die dort bestehende Anti-Stimmung gegenüber den Blackwoods gewinnt, darüber hinaus aber nicht wirklich viel passiert. Generell dreht sich in der Geschichte viel um die Bewältigung des Alltages der Schwestern und es wird z.B. diskutiert, was es zu essen geben soll oder wie man mit lästigen Besuchern umgeht. Dabei möchte man als Leser doch vor allem wissen, was es mit dem rätselhaften Tod der Familienmitglieder zu tun hat, der die ganze Zeit über allem schwebt und die Mädchen erst in ihre Außenseiterrolle gedrängt hat. Darauf geht Shirley Jackson aber fast gar nicht ein, was ich als sehr ärgerlich empfunden habe – da die Frage nach den Gründen so ziemlich das einzige in der Geschichte ist, das überhaupt ein wenig Spannung erzeugt. Davon abgesehen plätschert die Handlung nämlich weitestgehend vor sich hin und erzeugt auch nicht wirklich eine schaurige oder unheimliche Atmosphäre, wie ich es mir eigentlich erhofft hatte.

Dürftige und sehr fehlerhafte eBook-Umsetzung

Bei mir hat „Wir haben schon immer im Schloss gelebt“ also insgesamt einen eher befremdlichen Eindruck hinterlassen und ich bin mir nicht sicher, was die Autorin mit ihrer Geschichte überhaupt aussagen wollte. Zu allem Überfluss kann auch das eBook rein technisch nicht überzeugen, da das Buch unzählige Rechtschreibfehler aufweist, die offenbar auf eine fehlerhafte Texterkennung oder -konvertierung zurückzuführen sind, da diese immer bei den gleichen Wörtern auftreten. Diese Fehler findet man mit einer solchen Häufigkeit, dass man sich fragen muss, warum diese dem Verlag beim Lektorieren nicht aufgefallen sind – so eine schlampige Umsetzung ist man von der Psychothriller GmbH eigentlich auch nicht gewohnt. Dafür gibt es dann auch nochmal einen Punkt Abzug.

Fazit:
Durch und durch merkwürdiger Schauerroman mit spannungsarmer Story, befremdlichen Charakteren und einer bizarren Atmosphäre – ein seltsames Buch (4/10).

Buchcover
Autorin: Shirley Jackson; Originaltitel: We have always lived in the castle; Umfang: 221 Seiten; Verlag: Psychothriller GmbH; Erscheinungsdatum: 25. Juli 2013; Preis: eBook 4,99 €.

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