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Spätestens seit Dan Browns Verschwörungsthriller „Illuminati“ hat wohl jeder schon einmal von dem Geheimbund der Freimaurer gehört. Das Sachbuch „Die Freimaurer“ von Michael Kraus verspricht Einblicke in eine geheimnisvolle Welt der Rituale und Symbole, ist aber nicht viel mehr als unverhüllte Freimaurer-Propaganda.

Manchmal kann es nicht schaden, wenn man sich vor der Lektüre eines Buches oder eines Hörbuches etwas genauer über den Inhalt oder den Autor des jeweiligen Werkes informiert – selbst bei Gratis-Downloads wie dem Hörbuch „Die Freimaurer“ von Michael Kraus. Hätte ich mich von dem Buchtitel nicht in die Irre führen lassen, wäre mir das mit diesem Sachbuch erlebte Missverständnis vermutlich erspart geblieben. Erwartet habe ich nämlich eine mehr oder weniger spannende Reportage über den Bund der Freimaurer und eine neutrale Auseinandersetzung mit einigen vermeintlichen Voruteilen über diese Gemeinschaft sowie die (im Klappentext versprochene) Untersuchung von Ritualen und geheimnisvoller Freimaurer-Symbolik.

Ein Freimaurer-Buch von Freimaurern – auf Wiedersehen, Neutralität!

Diese Hoffnungen konnte ich allerdings schon mit dem Vorwort des Buches begraben. Hier meldet sich der Autor des Werkes nämlich selbst zu Wort, wobei die Bezeichnung „Herausgeber“ sicherlich treffender ist. Michael Kraus ist nämlich nicht irgendwer, sondern der jahrelange Großmeister der Freimaurer-Großloge von Österreich. Von dem Gedanken an eine objektive Berichterstattung konnte ich mich damit also schon einmal verabschieden, denn das ist schließlich ungefähr so als würde Tom Cruise eine Reportage über Scientology schreiben oder drehen. Außerdem handelt es sich bei „Die Freimaurer“ auch nicht um eine durchgehende Schilderung von Michael Kraus persönlich, sondern vielmehr um eine Zusammenstellung von Texten mehrerer Mitglieder der Gemeinschaft, die sich darin zu diversen Themen auslassen.

Bei den Freimaurern ist alles besser…

Meine mit dem Vorwort hervorgerufenen schlimmen Befürchtungen haben sich dann leider auch bestätigt, denn in großen Teilen bekommt man in dem Buch inhaltsleeres Geschwafel über die Ideale und Grundsätze der Freimaurer geboten, die über möchtegern-philosophische Essays an den Leser getragen werden. Die Verfasser lassen dabei keine Gelegenheit aus, um die positiven Werte wie Toleranz, Gemeinschaftsgefühl und Humanität des Ordens herauszustellen. Alles, aber auch wirklich alles, wird durch die rosarote Brille berichtet, eine kritische Betrachtung des Bundes ist praktisch nicht vorhanden. Somit hat das Buch für mich eigentlich überhaupt keinen Wert, denn wie soll sich der Leser durch eine derart voreingenommene Schilderung selbst eine Meinung über die Freimaurer bilden? Mir ist es bei der Lektüre sogar so ergangen, dass ich mich richtig teilweise richtig unwohl und wie bei einer Indoktrination gefühlt habe.

Unverhohlene Arroganz und ein gewöhnungsbedürftiger Sprecher

Ärgerlich ist zudem die sehr arrogante Haltung der Autoren, die sich und ihre Gemeinschaft nämlich immer wieder über die außenstehenden „normalen“ Menschen stellen und ihnen die durch die Freimaurer verkörperten Werte absprechen. Das geht so weit, dass Anhänger von Verschwörungstheorien unverblümt als Menschen mit niedrigem Bildungs- und Intelligenzstandard dargestellt werden, für welche die Prinzipien der Freimaurer einfach eine Nummer zu hoch sind. Zum Ende hin habe ich dann aber doch noch die ein oder andere interessante Stelle gefunden, nämlich wenn die Einstellung der Freimaurer zur Religion, zu der Rolle von Frauen oder zu der öffentlichen Wahrnehmung des Bundes vermittelt wird – wenngleich auch das wieder sehr subjektiv erfolgt. „Gekrönt“ wird das Hörbuch dann noch von einem Sprecher mit starkem österreichischen Dialekt, wodurch sich Wolfgang Riemerschmidt für mich persönlich auch schon grundsätzlich nicht als Erzähler eignet. Das ist in keinster Weise gegen den österreichischen Nachbarn gerichtet, aber von dem Sprecher eines Sachbuches erwarte ich einfach ein sauberes Hochdeutsch. Mag sein dass das Hörbuch in erster Linie für den österreichischen Markt produziert wurde, das ist mir aber herzlich egal…

Fazit:
Extrem subjektive Darstellung des Freimaurer-Bundes, der bis auf ganz wenige Ausnahmen außer inhaltsleerer Propaganda und einer arroganten Grundhaltung nicht viel zu bieten hat (3/10).

Hörbuchcover
Autor: Michael Kraus; Sprecher: Wolfgang Riemerschmidt; Spieldauer: 02 Std. 36 Minuten (gekürzt); Anbieter: Preiser Records; Veröffentlicht: 2010; Preis: 9,90 €.

Link zum Hörbuch


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