Autor: Marc-Uwe Kling
Sprecher: Marc-Uwe Kling
Länge: 04 Std. 53 Min. (ungekürzt)

Inhaltsbeschreibung von audible.de:
„Kannst du heute mal bezahlen?“, fragt das Känguru nach dem Essen. „Heute?“, frage ich. „Mal?“, frage ich. „Ich muss immer bezahlen, weil du nie Geld mitnimmst.“ „Tja“, sagt das Känguru lächelnd. „So ist das in der Welt. Der eine hat den Beutel, der andere hat das Geld.“
Ein Kleinkünstler, der nicht Kleinkünstler genannt werden will, und ein kommunistisches Känguru, das total auf Schnapspralinen steht. Marc-Uwe Kling erzählt vom Alltag und den revolutionären Eskapaden dieser wunderlichen WG.

Meine Hörbuchbesprechung:
Als es bei Marc-Uwe Kling unerwartet an der Tür klingelt, ahnt der Kleinkünstler nichts Böses und öffnet – eine Handlung mit weitreichenden Folgen. Vor der Wohnungstür steht nämlich Klings neuer Nachbar: ein ausgewachsenes Känguru. Das Beuteltier ist gerade erst gegenüber eingezogen und so zeigt sich Marc-Uwe selbstverständlich hilfsbereit, als das Känguru ihn unschuldig um Hilfe bittet. Es möchte nämlich Pfannkuchen machen, hat aber leider keine Eier im Haus. Als es kurz darauf aber erneut anklingelt und nach Salz, Milch, Mehl, Pfanne, Öl, Schneebesen, Rührgerät, Schüsseln und letztendlich auch noch nach einem Herd fragt, ahnt der Kleinkünstler, dass sein Leben von nun an deutlich anders verlaufen wird als bisher. Es kommt nämlich noch dicker, denn nach ein paar Tagen nistet sich das Känguru dann auch komplett bei Marc-Uwe Kling ein…

Humoristische Episodensammlung des deutschen Kabarettisten Marc-Uwe Kling

„Die Känguru-Chroniken“ ist eine Textsammlung des deutschen Kabarettisten Marc-Uwe Kling und besteht aus 81 kleinen Geschichten und Anekdoten aus dem Alltag der ungleichen Wohngemeinschaft, die in der Regel nicht länger als ein paar Minuten sind. Einen roten Faden gibt es nicht, stattdessen werden ungeordnet alle nur erdenklichen Themengebiete „abgearbeitet“. So liefern sich Marc-Uwe Kling und das – obendrein streng kommunistische – Känguru hitzige Diskussionen über Politik, Medien, Religion, den Zustand der Gesellschaft oder ganz banalen Themen wie Klings nächstem Kunstprojekt oder die Daseinsberechtigung von Warteschleifen. Diese fehlende Struktur überrascht nicht, wenn man sich die Entstehung des Werkes einmal näher betrachtet. Ursprünglich wurden die kurzen Episoden nämlich in Form eines Podcast bei einem Berliner Radiosender veröffentlicht, bis diese schließlich in Buchform gesammelt und 2009 im Ullstein Verlag veröffentlicht wurden.

Ein sprechendes, kommunistisches Känguru als anstrengender Mitbewohner

Was direkt zu Beginn einmal verwundert, ist die Tatsache, dass die Existenz eines sprechenden Kängurus wie selbstverständlich als gegeben hingenommen und dieses sogar noch ohne große Widerworte als Mitbewohner akzeptiert wird. Es geht sogar noch viel weiter, denn das Känguru wird schnell zum besten Freund des Kleinkünstlers (der aber nicht gerne als Kleinkünstler bezeichnet wird), auch wenn es sich nicht immer danach anhört. Nicht selten arten die unterschiedlichen Ansichten der beiden Charaktere nämlich in wilde Streitereien aus, sodass Kling und das Känguru zuweilen an ein zankendes Ehepaar erinnern. In der Regel läuft es dann so ab, dass der Autor sich von seinem tierischen Mitbewohner sehr leicht provozieren lässt und schon heißt es „Ring frei zur nächsten Runde“. Das Känguru macht es dem Hausherren aber auch nicht leicht: Ob laute Nirvana-Musik, extremer Schnapspralinen-Konsum oder faules Herumlungern ohne merklichen Beitrag zur Hausarbeit – Kling braucht wahrlich starke Nerven, allerdings fehlt es ihm aber auch an dem nötigen Durchsetzungsvermögen.

Umfassendes Gagrepertoire auf gehobenem Niveau mit vielen originellen Einfällen

Das Gagrepertoire reicht dabei von albernen Zoten bis zu hintersinnigen Sprüchen, sodass hier für jeden Geschmack etwas dabei sein sollte. Insgesamt befinden sich die Witze aber schon auf einem recht gehobenen Niveau, was vor allem die Freunde eines etwas intellektuelleren Humors sicher freuen dürfte. Oft verbirgt sich zwischen den gut gesetzten Pointen auch ein wenig Gesellschafts- oder Medienkritik, ohne dass Kling jedoch mit dem gehobenen Zeigefinger daherkommt. Die einzelnen Episoden sind alles in allem überwiegend von hoher Qualität, allerdings gibt es vereinzelt aber auch Anekdoten, die ein bisschen bemüht wirken und deren Sprüche manchmal ein wenig abgedroschen sind. Dies ist vor allem in der zweiten Hälfte der Fall, wobei diese „Aussetzer“ aber immer noch in einem akzeptablen Rahmen bleiben. Was mir dafür hingegen gut gefallen hat, sind Klings Ambitionen, das übliche Schema gelegentlich auch mal zu durchbrechen und die Erzählweise zu variieren. So wechselt er zum Beispiel in einer Episode wild das Tempus, schildert manche Ereignisse aus Sicht des Kängurus oder berichtet plötzlich in Form eines Drehbuches, sodass immer wieder kleine Regieanweisungen oder Hinweise zur (imaginären) Kameraperspektive eingestreut werden. Diese Experimente sorgen für Abwechslung und bringen immer wieder frischen Wind in das Erzählte.

Der Sprecher:
Nach über 200 Hörbuchern sind „Die Känguru-Chroniken“ der erste von mir gehörte Titel, der vom Autor selbst vorgelesen wird. Normalerweise bin ich bei solchen Produktionen immer etwas skeptisch, da die Schriftsteller in der Regel nicht über eine professionelle Sprecherausbildung verfügen. So werden die Texte dann in Hinsicht auf Betonung, Lesegeschwindigkeit etc. zwar so gelesen, wie sich der Autor es beim Schreiben vorgestellt hat, allerdings wirkt die Lesung nicht selten ein wenig amateurhaft, sodass ich von diesen Hörbüchern immer etwas Abstand nehme.

Der Autor liest selbst und vor Publikum – ein gelungener Schachzug

Bei den Känguru-Chroniken liegt der Fall aber anders, denn es handelt sich bei dem Hörbuch nicht um eine „normale“ Lesung, sondern um einen ungekürzten Live-Mitschnitt – das heißt, Marc-Uwe Kling trägt seine Textsammlung einem Publikum vor, dessen Reaktionen ebenfalls eingefangen wurden. Wer also schon mal im Fernsehen die Aufzeichnung einer Stand-Up-Comedy gesehen hat, kann sich die Atmosphäre ungefähr vorstellen. So gibt es lautes Gelächter, begeistertes Klatschen und was sonst noch alles dazugehört. Das mag sicher nicht jedem gefallen, ich finde aber, dass dieses direkte Feedback der Lesung noch mehr Leben einhaucht und die Wirkung der Gags so noch einmal verstärkt wird. Zudem trägt Kling die Episoden wirklich sehr unterhaltsam vor und verfügt auch über ein gutes Timing, sodass keine Pointe verloren geht. Die Darstellung des Kängurus ist ihm dabei auch hervorragend gelungen und sorgt durch die nölende, keifende und manchmal auch schrille Stimme generell schon mal für ein angenehmes Dauergrinsen.

Schlussfazit:
Wer humoristische Hörbücher mag und dabei nicht viel Wert auf eine zusammenhängende Story legt, der sollte sich Marc-Uwe Klings „Die Känguru-Chroniken“ unbedingt einmal anhören. Dessen Auszüge aus dem Alltagsleben einer Wohngemeinschaft bestehend aus Kleinkünstler und Känguru sind nämlich überaus kreativ, geistreich, hintergründig und – was bei einem Comedy-Titel natürlich am wichtigsten ist – wirklich lustig. Es wurde wohl noch nie mitreißender und witziger darüber diskutiert, ob nun Bud Spencer oder Terence Hill besser ist und ob man nervende Köter einfach mit einem gezielten Tritt ruhigstellen darf.

Witziges, originelles und intelligentes Kabarett als stimmungsvoller Live-Mitschnitt

Allerdings ist es vielleicht besser, wenn man das Hörbuch nicht am Stück bzw. in einem recht kurzen Zeitraum hört, sondern sich die 81 Geschichten etwas besser einteilt und jeden Tag nur ein paar Kapitel hört. So nutzt sich der Humor nicht so schnell ab, was bei mir gegen Ende hin ehrlich gesagt schon ein wenig der Fall war. Punktabzug gibt es auch für die ein oder andere schwächere Episode, bei denen die Gags nicht richtig zündern oder einfach nur platt und albern sind. Glücklicherweise sind solche Passagen aber die Ausnahme, sodass „Die Känguru-Chroniken“ für Freunde gepflegten Kabaretts absolut eine Empfehlung wert ist, zumal die Texte vom Autor selbst wirklich sehr unterhaltsam vorgetragen werden.

Meine Wertung: 7/10

Informationen:
Das Hörbuch “Die Känguru-Chroniken” hat eine Länge von 04 Std. und 53 Min. und ist ungekürzt für 10,95 Euro bei audible.de erhältlich. Im Flexi-Abo kostet der Titel natürlich wieder nur die gewohnten 9,95 Euro. Weitere Infos gibt es auf der Detail-Seite bei audible.de.


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