Autor: Henri Charrière
Sprecher: Oliver Rohrbeck
Länge: 22 Std. 41 Min. (ungekürzt)

Inhaltsbeschreibung von audible.de:
Papillon ist die Geschichte eines Gefangenen auf der berühmt-berüchtigen Teufelsinsel, auf die die Franzosen einst ihre Straftäter verbannten. Erzählt wird das Leben Papillons vom Moment seiner Verbannung bis zu seiner Flucht als alter Mann.

Zum Hörbuch:
Das Buch „Papillon“, erschienen 1970, ist ein auf autobiografischen Erlebnissen basierender Roman vom Franzosen Henri Charrière. Dieser wurde wegen Totschlages zur lebenslangen Zwangsarbeit in der Strafkolonie in Französisch Guyana verurteilt. Erweitert um einige fiktionale Passagen, berichtet Charrière nun über sein Leben in Gefangenschaft und seine vielen Fluchtversuche.

Aufmerksam geworden bin ich auf dieses Hörbuch, weil mir die Verfilmung der Romanvorlage mit Steve McQueen und Dustin Hoffmann im Hinterkopf herumschwebte. Diese habe ich zwar selbst nicht gesehen, der Film von 1973 gilt jedoch wie das Buch als Klassiker.

Allerdings hat mich die Inhaltsbeschreibung auf der Audible-Website doch etwas in die Irre geführt. Ich bin davon ausgegangen, dass die Hauptfigur lange Jahre verzweifelt die Flucht aus dem Gefängnis versucht und nach Jahrzehnten voller Rückschläge schlussendlich doch den Weg in die Freiheit schafft. Umso erstaunter war ich dann, als der Protagonist schon nach kurzer Zeit aus der Strafkolonie flüchten konnte. Doch zunächst der Reihe nach…

Henri Charrière, wegen einer Schmetterling-Tätowierung eigentlich nur „Papillon“ genannt, wird in Paris wegen Totschlags zur lebenslangen Zwangsarbeit verurteilt. Dabei hilft ihm auch nicht, dass er während des Prozesses vehement seine Unschuld beteuert. So muss er das drakonische Urteil hinnehmen, schwört allen Beteiligten – Richter, Staatsanwalt, Zeugen – jedoch bittere Rache, sobald ihm die Flucht gelingen sollte.

So gelangt Papillon dann nach Französisch Guyana, wo er auf die als ausbruchssicher geltende Insel Îles du Salut geschickt wird. Dort verbündet er sich mit einigen Mitgefangenen und arbeitet akribisch auf seine Befreiung hin. Zwar schlägt ein erster Versuch fehl, schließlich gelingt ihnen dann aber doch der Ausbruch. In einem Boot flüchten die Sträflinge nach Trinidad und Curaçao, bis sie letztendlich in Kolumbien landen. Dort nimmt die Flucht aber bereits wieder ein jähes Ende, als die Flüchtlinge in Gewahrsam genommen und wieder ins Gefängnis gesteckt werden.

Papillon schafft jedoch erneut die Befreiung und rettet sich in ein Indianerdorf, wo er freundlich aufgenommen wird. Er wird sesshaft und nimmt sich zwei hübsche Indianermädchen zur Frau, mit denen er sogar Nachwuchs zeugt. Sein Wunsch nach Rache für seine Verurteilung gewinnt nach einiger Zeit dann aber wieder die Oberhand, und Charrière macht sich auf den Weg zurück nach Frankreich. Müßig zu erwähnen, dass dieses Unterfangen jedoch erneut zum Scheitern verurteilt ist…

Hatte ich also eine Art „Prison Break“ in Romanform erwartet, wurde ich durch die schnelle Flucht ziemlich überrascht. Ich war von einem knallharten Gefängnisthriller ausgegangen, in der ersten Hälfte entwickelte sich jedoch eher eine Abenteuergeschichte mit einer Jagd quer durch die Karibik. So hatte ich mit den ersten Stunden so meine Schwierigkeiten, denn irgendwie lief für die Hauptfigur alles zu einfach. Klappt ein Ausbruch nicht, versucht er es eben nochmal. Nach einer gelungenen Flucht irren die Sträflinge dann von Land zu Land, nur um dann wieder eingefangen zu werden. Bei der nächsten Gelegenheit brechen sie dann aber wieder aus. Das erschien mir doch etwas unrealistisch, war doch zu Beginn erwähnt worden, wie ausbruchsicher die Strafkolonie doch sei.

So richtig Spannung wollte deshalb bei mir nicht aufkommen, denn ich hatte während der ersten Hälfte der Geschichte eigentlich nie das Gefühl, die Protagonisten könnten ernsthaft in Schwierigkeiten stecken. Unter den Gefangenen selbst gab es kaum Dispute und auch das Verhältnis zu den Wachen schien mir recht entspannt zu sein.

Erst in der zweiten Hälfte, als Papillon wieder zurück in die Strafkolonie verbannt wird und unter anderem harte Jahre in schwerer Einzelhaft ohne Tageslicht verbringen muss, konnte ich eine Bindung zu Charrière aufbauen und mit ihm mitfiebern und mitleiden. Hier hat das Buch meiner Meinung nach auch seine stärksten Momente. Wenn zum Beispiel geschildert wird, wie die toten Kameraden Papillons, gestorben durch Selbstmord oder die Hand eines anderen Gefangenen, an die hungrigen Haie verfüttert werden, so musste ich schon stellenweise schlucken.

Leider lässt die Dramatik dann in den letzten zwei bis drei Stunden wieder etwas nach. Ohne hier zu viel vorweg nehmen zu wollen (dass letztendlich die Flucht in die Freiheit gelingt, steht ja bereits in der Inhaltsbeschreibung bei Audible): Nach dem großen und finalen Ausbruch aus der Strafkolonie wird noch geschildert, wie Papillon wieder versucht, in der Zivilisation Fuß zu fassen. Dies ist zwar nicht uninteressant, aus dramaturgischen Gründen hätte die Flucht als endgültiges Romanende aber wohl besser funktioniert. So ist am Ende etwas die Luft raus, auch wenn Charrière sich bei seinem Leben in Freiheit ebenfalls mit einer Reihe von Problemen konfrontiert sieht.

Ein weiterer Schwachpunkt des Buches sind meiner Meinung nach die Charaktere. Dies beginnt bei der Hauptfigur selbst: Da es sich hier um ein Werk mit autobiografischen Elementen handelt, kommt Charrière natürlich immer recht gut weg. Für alle seine Handlungen gibt es eine Rechtfertigung, selbst wenn es sich um die Tötung eines Mithäftlings handelt. Zudem ist er immer aufrichtig zu seinen Kameraden und stellt sich gerne als ehrenvoller Mensch dar, dem von der Gesellschaft und dem Staat Frankreichs großes Unrecht angetan wurde. An seiner Schuld sind keine Zweifel erlaubt, und Papillon wird als echter Gutmensch dargestellt. Selbstzweifel am eigenen Tun gibt es wenn überhaupt nur sehr selten.

Auch bleiben die weiteren Figuren recht blass. Bis auf den Fälscher Louis Dega, dem Papillon bereits in Paris begegnet und der ihm im Laufe der Handlung immer wieder über den Weg läuft, sind die anderen Personen wenig bemerkenswert. Kaum einer bekommt vom Autor ein aussagekräftiges Charakterprofil verpasst, wodurch es mir teilweise schwergefallen ist, die Mithäftlinge zu unterscheiden.

Doch ich möchte hier nicht den Eindruck erwecken, als gebe es bei dem Hörbuch „Papillon“ nur Anlass zur (negativen) Kritik. Denn obwohl der Titel mit fast 23 Stunden Spieldauer ein wahres Mammutwerk ist, weiß das Buch doch fast über die gesamte Länge gut zu unterhalten. Auch wenn mir über weite Strecken richtige Spannung und Dramatik fehlten, so habe ich mich doch während des Hörens kaum gelangweilt.

In der ersten Hälfte gewinnt die Handlung durch die vielen Ortswechsel auf Papillons Flucht gehörig an Abwechslung. Erst das Gefängnis in Paris, dann das Leben in der Strafkolonie in Französisch Guyana, die Flucht bis nach Kolumbien und in ein Indianergebiet – das alles hat schon seinen Unterhaltungswerk. Am besten gefiel mir jedoch die anschließende Phase, in welcher Charrière erneut in die Strafkolonie muss. Hier erzeugt der Autor eine sehr stimmige Atmosphäre und zeichnet ein gelungenes Bild vom harten und abwechslungsarmen Gefängnisalltag. Gerade die Schilderungen von Papillons Einzelhaft sind sehr beeindruckend und packend. Dass es trotz der langen Spieldauer nicht langweilig wird, liegt jedoch zu einem nicht unerheblichen Teil auch am guten Sprecher.

Zum Sprecher:
Gelesen wird das Hörbuch „Papillon“ von Oliver Rohrbeck, dem „Justus Jonas“ von den drei Fragezeichen und der deutschen Synchronstimme von Ben Stiller. Diese Besetzung hat mich zu Beginn doch etwas überrascht, verbinde ich Oliver Rohrbeck doch eher mit humorigen Werken wie den Reisetagebüchern von Bill Bryson oder eben den Ben Stiller-Komödien.

Doch mit Beginn des Hörbuches waren bei mir alle Vorbehalte verschwunden und Rohrbeck erscheint mir im Nachhinein sogar fast als Idealbesetzung. Denn die Handlung ist nicht so bierernst, wie ich es im Vorfeld erwartet habe und weist durchaus die ein oder andere amüsante Anekdote auf. Zudem hat die Figur des Henri Charrìere schon ein wenig dem Schalk im Nacken und führt so zum Beispiel gerne auch mal die Gefängniswärter an der Nase herum. Rohrbeck liest sehr routiniert und oft mit dem nötigen Augenzwinkern, insgesamt also wirklich eine sehr gelungene Sprecherleistung.

Mein Fazit:
Obwohl ich nach dem Lesen der Inhaltsbeschreibung eine etwas andere Handlung erwartet hätte, so wurde ich von „Papillon“ doch nicht enttäuscht. Zwar fehlte mir über weite Strecken ein Schuss Spannung und Dramatik, unterhaltsam ist die Geschichte aber eigentlich jederzeit. Man darf auch nicht vergessen, dass die Story schon mehr als 40 Jahre auf dem Buckel hat. Ich habe mir nach der Lesung dann auch noch den Film mit Steve McQueen und Dustin Hoffman zugelegt, welchen ich mir in den kommenden Tagen zu Gemüte führen werde. Ich würde mich freuen, wenn in Zukunft noch weitere „Klassiker“ der Literaturgeschichte als Hörbuch umgesetzt werden. „Papillon“ nämlich weiß nicht nur wegen seines tollen Sprechers zu überzeugen.

Meine Wertung: 7/10

Informationen:
Das Hörbuch „Papillon“ hat eine Gesamtlänge von 22 Stunden und 41 Minuten und ist ungekürzt für 29,95 Euro bei audible.de erhältlich. Im Flexi-Abo kostet der Titel wie gewohnt nur 9,95 Euro. Eine gekürzte Fassung ist leider nicht erhältlich. Weitere Informationen auf der Detail-Seite bei audible.de


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