Inferno Park_Rezi

Die kleine Küstenstadt Conch City gleicht in der Hauptsaison einem einzigen Vergnügungspark, überall am Strand reiht sich ein Jahrmarktstand an den nächsten und ködert die Menschen schon aus weiter Ferne mit blinkenden Lichtern, dudelnder Musik und verführerischen Gerüchen. Höhepunkt des Spektakels ist der Starland Amusement Park, der mit seinen aufregenden Fahrgeschäften nicht nur für den 12-jährigen Carter und seinen besten Freund Jared eine große Anziehungskraft ausübt. Als die beiden jedoch eines Abends mit ihrem Taschengeld den Park stürmen, endet der fröhliche Ausflug in einer verheerenden Katastrophe: Wie aus dem Nichts tut sich ein gewaltiges Erdloch im Boden auf und reißt einen großen Teil der Attraktionen und ihrer Besucher mit in den Abgrund – mehr als einhundert Menschen kommen bei dieser Tragödie auf grausame Weise ums Leben. Starland wird daraufhin geschlossen und seinem Verfall überlassen, doch wie alle in Conch City wird auch Carter diese Nacht niemals vergessen. Als sich die Katastrophe zum fünften Mal jährt, kommen auch bei ihm die schlimmen Erinnerungen wieder hoch – erst recht, als der Park auf mysteriöse Weise wieder zum Leben erwacht…

Wenn der Vergnügungspark zum Schauplatz des Grauens wird

Wenn man sich an die Lektüre eines Horrorromans begibt, bekommt man es vermutlich mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit mit einem der folgenden Schauplätze zu tun: Ein altes und düsteres Spukhaus, ein finsterer und nicht weniger unheimlicher Wald oder aber – auf den ersten Blick gar nicht so gruselig – ein Vergnügungspark. So auch in J.L. Bryans „Inferno Park“, das seine Leser in den beschaulichen Küstenort Conch City in Florida verschlägt – eine Stadt, die fast ausschließlich vom Tourismus lebt und über ihre Grenzen hinaus für ihre Jahrmarktsattraktionen bekannt ist. Nach der eingangs erwähnten Tragödie ist Conch City im Verlauf der Jahre jedoch immer mehr ausgestorben, denn durch die Zerstörung des Parks verloren zahlreiche Familien ihre Lebensgrundlage und suchten ihr Glück in der Ferne, andere wiederum konnten einfach die ständige Präsenz des Todes und der Trauer nicht mehr ertragen. Auch das Leben der Hauptfigur des Buches wurde von der Starland-Katastrophe maßgeblich beeinflusst und von der damals heilen Familien-Idylle ist nicht mehr viel geblieben.

Grandioser Auftakt, der die Messlatte fast etwas zu hoch legt

Die Wandlung der Stadt vom Vergnügungsparadies zum sterbenden Ort wird von J.L. Bryan auf sehr anschauliche Weise beschrieben, was zu großen Teilen dem grandiosen Prolog zuzuschreiben ist. Wie der Autor hier den Charme des Parks mit all seinen Verlockungen aus der Sicht eines 12-jährigen Kindes einfängt, ist in jeder Hinsicht beeindruckend und genauso intensiv wie die anschließende Schilderung der verheerenden Katastrophe, die ungemein bewegt und verstört und einem die süße Zuckerwatte im Halse stecken lässt. Besser hätte auch Stephen King eine solche Geschichte nicht anfangen können, denn dieser Prolog hat eigentlich schon fast alles, was eine packende Geschichte braucht. Zu seinen eigenen Ungunsten schraubt Bryan mit diesem ersten Kapitel die Erwartungshaltung aber in fast schon unerreichbare Höhen und scheitert so fast schon zwangsläufig an dem Versuch, dieses sehr hohe Niveau beizubehalten – denn wenn man brutal ehrlich ist erreicht „Inferno Park“ im Folgenden zu keinem Zeitpunkt mehr die Intensität des furiosen Auftakts.

Routinierte Horror-Story mit packender Jahrmarkts-Atmosphäre

Was zunächst ziemlich ernüchternd klingt, ist aber bei weitem nicht so dramatisch, denn Bryans Achterbahn-Horror macht auch im weiteren Verlauf der Handlung vieles richtig. Die Hauptfiguren sind sympathisch, die Atmosphäre bleibt weiterhin sehr stimmig und die Erzählung legt ein gutes Tempo vor, das so schnell keine Langeweile aufkommen lässt. Zwar bewegt sich „Inferno Park“ auf weitestgehend bekannten Pfaden, bietet für Kenner des Genres eher wenige Überraschungen und sorgt auch nicht unbedingt dafür, dass man sich beim Lesen unter der Bettdecke verkriechen müsste – man tritt aber immer wieder gerne durch die wenig einladenden Pforten der Starland-Ruine, denn das Buch ist eindeutig immer dann am packendsten, wenn sich die Geschichte direkt im Park selbst abspielt und J.L. Bryan die Überreste der Fressbuden und Fahrgeschäfte auf bizarre Weise zum Leben erwecken kann. Das Setting gibt in diesen Szenen einfach sehr viel her und ist meiner Meinung nach auch die ganz klare Trumpfkarte des Romans. Im Mittelteil hält sich der Autor vielleicht ein bisschen zu gerne zwischen seinen teuflischen Attraktionen auf und lässt dadurch trotz einiger sehr gelungener Splatter-Einlagen die ein oder andere Länge aufkommen, der solide Schlussteil fängt diese Schwächephase aber wieder gekonnt auf und bringt die insgesamt gute Geschichte zu einem zufriedenstellenden Abschluss. Wer dem Zauber von Vergnügungsparks leicht erliegt und wem z.B. Stephen Kings „Joyland“ nicht blutig genug war, der darf hier also gerne einen Blick riskieren.

Inferno Park
  • Autor:
  • Umfang: 370 Seiten
  • Verlag: CreateSpace
  • Erscheinungsdatum: 11. August 2014
  • Preis Taschenbuch 10,38 €/eBook 4,07 €
Cover:
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Gesamt:
7/10
Fazit:
J.L. Bryans „Inferno Park“ bietet einen spannenden Horrortrip in einen verlassenen Vergnügungspark, der vor allem mit dem starken Auftakt und intensiv-unheimlicher Jahrmarkt-Atmosphäre punktet.

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